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Skaphoidfrakturen lieber ruhigstellen als operieren?

Skaphoidfrakturen machen etwa 90 Prozent aller Frakturen am Handgelenk aus und betreffen vorwiegend junge Männer. Obwohl es für den Nutzen einer initialen operativen Fixation bei diesem Frakturtyp keine ausreichende Evidenz gibt, hat sich die unmittelbare Osteosynthese inzwischen etabliert und wird häufiger durchgeführt als eine konservative Behandlung. In der SWIFT-Studie wurden nun der klinische Nutzen der operative Fixation und der Ruhigstellung mit einem Unterarmgips (mit Osteosynthese erst nach fehlender Frakturheilung) miteinander verglichen. In die Studie eingeschlossen wurden wurden Erwachsene mit radiologisch nachgewiesenen Frakturen am mittleren Kahnbeindrittel, die maximal 2 mm disloziert waren.

Das Patientenkollektiv umfasste 439 Patienten, von denen 83 Prozent männlichen Geschlechts waren. Das Durchschnittsalter lag bei 33 Jahren. Die Teilnehmer wurden in eine OP-Gruppe (n=219) und eine Gruppe mit primär konservativer Behandlung (n=220) randomisiert. Nach 52 Wochen wurden die Ergebnisse anhand des Patient-Rated Wrist Evaluation (PRWE)-Scores verglichen. Es gab keinen signifikanten Unterschied bei den Behandlungsergebnissen zwischen den beiden Gruppen. In der OP-Gruppe mehr ernste OP-bedingte Komplikationen (n=31, 14%) auf als in der anderen Gruppe (n=3, 1%). Komplikationen infolge der Gipsbehandlung traten in der konservativ behandelten Gruppe häufiger auf (n=40, 18%) als in der OP-Gruppe (n=5, 2%).

Die Autoren folgerten daher, dass Frakturen im mittleren Kahnbeindrittel, die maximal 2 mm disloziert sind, primär mit einer Cast-Ruhigstellung konservativ behandelt werden sollten, da die Operation keine signifikanten Vorteile bietet. Erst wenn sich der Verdacht auf unvollständige knöcherne Konsolidierung der Knochensegmente bestätigt, plädieren sie für eine operative Osteosynthese.

Quelle: Dias J et al.: Surgery versus cast immobilisation for adults with a bicortical fracture of the scaphoid waist (SWIFFT): a pragmatic, multicentre, open-label, randomised superiority trial. The Lancet Volume 396, ISSUE 10248, P390-401, August 08, 2020 https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30931-4

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