Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

S1-Leitlinie zu Corona-Tests im Gesundheitswesen veröffentlicht

„Wir müssen die Mitarbeiter – und damit auch die Patienten – im Gesundheitswesen besser schützen!“ Unter dieser Prämisse haben 17 medizinische Fachgesellschaften unter Federführung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) jetzt eine S1-Leitlinie über eine nationale Teststrategie für Mitarbeitende im Gesundheitswesen veröffentlicht. Wie die DIVI mitteilte, lautet deren wichtigste Forderung: „Kein Gießkannenprinzip, sondern gezielt nach Relevanz testen.“ Professor Uwe Janssens, DIVI-Präsident und Erstautor der Leitlinie erklärte dazu: „Alles andere kostet Zeit, Geld und wertvolle Ressourcen!“ Mit der Leitlinie einher gehe ein dringender Appell an die Politik im gesamten Bundesgebiet, sich mit dem vorgelegten Konzept auseinanderzusetzen. Die Kosten müssten einheitlich geregelt werden und dürften nicht zu Lasten der Mitarbeitenden oder den jeweiligen Einrichtungen und Praxen gehen.

Hintergrund der Veröffentlichung ist die hohe Zahl der COVID-19-Fälle unter den Tätigen in Einrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen – nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt der Anteil bei 10,3 Prozent. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Rund 26.000 im Gesundheitswesen Beschäftigte haben sich in Deutschland bereits mit COVID-19 infiziert, etwa 1.100 hiervon mussten im Krankenhaus behandelt werden, 63 verstarben. Die Zeit sei reif, die nationale Teststrategie des RKIs zu spezifizieren und über Priorisierungen nachzudenken, erklärte Janssens weiter.

Die Leitlinie nennt vier Kriterien:

  • Grad des Infektionsrisikos (Arbeit in Bereichen mit einem höheren Infektionsrisiko, z. B. Intensivstation oder Notaufnahmen)
  • Art der Risikotätigkeit (z. B. Durchführung von Prozeduren mit Aerosolbildung)
  • Signalwert des lokalen SARS-CoV-2 Wertes (mehr als 50/100.000 Infektionen in den letzten 7 Tagen)
  • Lokales Ausbruchsgeschehen (Hot-Spot-Gebiet oder relevante Anzahl von betreuten COVID-19-Patienten auf Stationen oder in Einrichtungen bzw. Praxen)

„Aktuell liegen die wöchentlichen Testkapazitäten der Labore für Corona-Tests (RT-PCR) bei ca. 1,4 Millionen Untersuchungen. Wir beschäftigen aber in Deutschland alleine etwa fünf Millionen Mitarbeiter im Gesundheitswesen“, mahnte Janssens. Das RKI empfehle eine regelmäßige Testung alle 14 Tage für im Gesundheitswesen Beschäftigte – aus Sicht der Leitlinienautoren eine Übertestung, die künftig zu vermeiden ist. Die 17 Fachgesellschaften sprachen sich zudem einstimmig für die begleitende wissenschaftliche Evaluation der Nutzen-Schaden-Bilanz der eingesetzten Teststrategien unter den spezifischen Bedingungen des deutschen Gesundheitssystems aus. Mit Blick auf die bevorstehende kältere Jahreszeit erklärte Janssens: „Nicht jeder, der will, kann und sollte getestet werden“, fasst Janssens das Anliegen der Leitlinie zusammen. „Aber für diejenigen, die ihre persönliche Gesundheit täglich bei der Arbeit unter anderem in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, in der ambulanten Pflege und in Arztpraxen aufs Spiel setzen, sollten Testkapazitäten vorhanden sein!“

Die S1-Leitlinie „SARS-CoV-2 Infektion bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen – Bedeutung der RT-PCR Testung“ kann bei der AWMF heruntergeladen werden: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/040-015.html

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