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Prof. Dr. Doris Henne-Bruns: Pionierin der Chirurgie geht in den Ruhestand

Sie wurde als erste Frau in Deutschland auf einen chirurgischen Lehrstuhl berufen und gilt bei Vielen als Pionierin in der Chirurgie. Nach 19 Jahren als Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Ulm hat sich Professorin Dr. Doris Henne-Bruns zum 30. September 2020 in den Ruhestand verabschiedet. Ihr Lebenslauf spricht für sich: Studium der Humanmedizin an der Universität Hamburg, Forschungsaufenthalt in den USA, Ernennung zur Professorin, Stellvertretende Direktorin der Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie der Universitätsklinik in Kiel, über 300 veröffentlichte Artikel, 570 Vorträge, zahlreiche Buchbeiträge, Herausgeberin eines studentischen Lehrbuchs und schließlich die Leitung der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Ulm. Als die damals 46-Jährige 2001 als erste Frau in Deutschland den Ruf auf eine C-4-Professur für Chirurgie erhielt, sorgte das nicht nur in Ulm für Aufsehen – bis heute konnten nur wenige Kolleginnen ihrem Beispiel folgen.

„Die Chirurgie war damals und ist auch heute noch eine Männerdomäne, in der es Frauen häufig nicht leicht haben“, erklärte Henne-Bruns. „Um dort anzukommen, wo ich heute bin, musste ich mir ein dickeres Fell zulegen und vor allem viel Durchhaltevermögen und Durchsetzungsfähigkeit zeigen.“ Obwohl heute mehr Frauen als Männer Medizin studieren, entscheiden sich Frauen immer noch seltener für die Chirurgie oder andere operative Fächer als ihre männlichen Kollegen. Henne-Bruns ist es daher ein großes Anliegen, den weiblichen Nachwuchs zu fördern und sich aktiv für die Karrierechancen von Chirurginnen einzusetzen. „Nach meiner Emeritierung möchte ich zwar keine beruflichen Verpflichtungen mehr eingehen, die jungen Kolleginnen will ich jedoch weiterhin in Form von Berufsberatung und Coachings auf ehrenamtlicher Basis unterstützen,“ sagte die Chirurgin.

In ihrem klinischen Schwerpunkt, der Onkologischen Chirurgie, ist sie unter anderem für ihr gewebeschonendes und blutarmes Operieren bekannt. „Als Chirurgin muss man ein besonderes Gefühl für Gewebe entwickeln, denn jede Patientin und jeder Patient bringt unterschiedliche Voraussetzungen, zum Beispiel Vorerkrankungen mit, auf die man sich jedes Mal neu einstellen muss,“ betonte Henne-Bruns. Im Ruhestand möchte die Chirurgin nicht weiter operieren und sich nicht mehr beruflich verpflichten, sondern nur noch ehrenamtlich tätig sein. So hat sie bereits zum Jahresbeginn 2020 die Position der Ombudsperson am Universitätsklinikum Ulm übernommen. Patient*innen können sich im Fall von schwer lösbaren menschlichen Konflikten zwischen Arzt, Ärztin oder Pflegekraft an sie wenden. Henne-Bruns ist auch bekannt für Ihre Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen und Stellungnahmen gegen die Kommerzialisierung der Medizin, ein Bereich, „in dem man sich unbegrenzt engagieren kann“.

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