Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Gesellschaft für Koloproktologie präsentiert S3-Leitlinie zum Analkarzinom

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie e.V. (DGK) erstmals eine S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Analkanal- und Analrandkarzinomen erstellt. Darauf hat die Deutsche Krebsgesellschaft hingewiesen. Die Leitlinie gibt demnach unter anderem Empfehlungen zur Primärdiagnostik, Therapieentscheidung bei kurativer Operation und kurativer Radiochemotherapie, der Responsebeurteilung nach Radiochemotherapie sowie der Palliativversorgung.

Hintergrund ist die bislang sehr heterogene Versorgung von Menschen mit Analkrebs: So werde die Primärdiagnostik von unterschiedlichen Fachdisziplinen durchgeführt, etwa mit dermatologischer oder gastroenterologischer Ausrichtung. „Zudem ist das Analkarzinom im Vergleich zu anderen gastrointestinalen Tumoren relativ selten, deshalb gab es bisher in der Fläche wenig Erfahrung in der Diagnostik, Therapie und Nachsorge“, sagt Privatdozent Dr. Felix Aigner, der zusammen mit Privatdozent Dr. Robert Siegel von der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie am Helios Klinikum Berlin-Buch die Leitlinie koordiniert hat. Die neue S3-Leitlinie formuliert nun evidenzbasierte Standards und bietet so die Grundlage für die Optimierung der interdisziplinären und sektorenübergreifenden Versorgung der Betroffenen.

Die Deutsche Krebsgesellschaft verweist auf Zahlen des Robert Koch-Instituts, wonach im Jahr 2016 1.320 Frauen und 830 Männer an einem Analkarzinom erkrankten. Während die Erkrankungsraten beim Darmkrebs abnehmen, steigt sowohl die Neuerkrankungsrate als auch die Sterberate beim Analkarzinom in den letzten 15 Jahren an. Im Jahr 2016 starben den Angaben zufolge 308 Frauen und 204 Männer an Analkrebs. Zu den Risikogruppen zählten unter anderem HPV- und HIV-infizierte Menschen. Zudem hätten auch Patientinnen mit Gebärmutterhals- und Vulvakrebs ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

An der Erstellung der S3-Leitlinie waren 26 Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/analkarzinom/

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert. Nähere Informationen zur App finden Sie hier: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Hintergrund: Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen. Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 28 S3-Leitlinien, die zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen. Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home/

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