Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Woran liegt’s, wenn nach Leistenhernien-OP die Spermien schlappmachen?

Wenn es um die chirurgische Therapie von Leistenhernien geht, haben die endoskopischen Verfahren TEP (totalextraperitoneale Netztechnik) und TAPP (transabdominale präperitoneale Netztechnik) in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Patienten schätzen die Vorteile der minimal invasiven Operationstechnik, und auch die Europäische Herniengesellschaft (EHS) empfiehlt in ihren 2009 veröffentlichten Leitlinien die endoskopischen Verfahren, sofern der Operateur über die entsprechende Expertise verfügt. Allerdings werden immer wieder Bedenken laut, dass die implantierten Kunststoffnetze die Fruchtbarkeit der operierten Patienten beeinträchtigen könnten. Bislang hielt man vor allem schwere und starre Netzmaterialien für die Übeltäter, denn diese könnten bei Kontakt mit dem Samenstrang zur Azoospermie oder verschlechterter Spermienmotilität führen.

Wie Prof. Marc Miserez von der Universitätsklinik Leuven (Belgien) bei den 11. Hernientagen am 24. Januar 2014 in Hamburg erklärte, scheinen allerdings auch Netzimplantate aus leichtgewichtigem Kunststoff daran nichts grundlegend zu ändern. In einer Studie (E. Peeters et al.; Hernia 2012) verglichen Misarez und sein Team in einer Studie an 47 Patienten den Effekt von drei verschiedenen Netztypen mit unterschiedlichem Gewicht und unterschiedlicher Porengröße auf die Spermienmotilität nach laparoskopischer Hernienoperation.

Hierbei untersuchten sie jeweils prä- und postoperativ das Ejakulatvolumen sowie die Spermienkonzentration, -motilität und –morphologie. Außerdem wurden jeweils vor und nach der Operation das Skrotum und die Testikulararterie mit Ultraschall untersucht. In keiner der drei Gruppen ergaben sich Unterschiede beim skrotalen Ultraschall vor und nach der Operation. Allerdings zeigte sich insbesondere bei Netzen aus Composite-Materialien ein Jahr nach der Operation eine verringerte Spermienmotilität, die sich allerdings bis zur nächsten Nachuntersuchung drei Jahre postoperativ wieder normalisierte.

Miserez sagte: „Zum Glück ist die Motilität der Spermien nicht der einzige Faktor, der für die Fruchtbarkeit eine Rolle spielt.“ Eine eindeutige Erklärung für das Phänomen hatte der Hernienspezialist allerdings nicht: „Dass dieser temporäre Effekt auf eine vasale Obstruktion zurückgeht, ist eher unwahrscheinlich“, sagte Miserez mit Blick auf die unauffälligen Ultraschallbefunde.

Eher denkbar sei eine systemische Reaktion auf die in Composite-Materialien häufig enthaltenen Weichmacher. „In etlichen Netzimplantaten werden Phtalate als Weichmacher eingesetzt, die sich ungünstig auf die Fruchtbarkeit auswirken können.“ Bislang könnten leider auch die Netzhersteller nicht immer zuverlässig Auskunft über den Phtalatanteil ihrer Produkte geben. Die Daten zeigten auf jeden Fall aber, dass man Patienten nach einer Netzimplantation – auch was ihrer Fruchtbarkeit angeht – über einen längeren Zeitraum nachbeobachten müsse.

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