Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Bundeskongress Chirurgie: Bleibt das Patientenwohl auf der Strecke?

DGCH-Präsident Prof. Joachim Jähne, BAO-Präsident Dr. Axel Neumann, BNC-Präsident Dr. Dieter Haack und BDC-Präsident Prof. Hans-Peter Bruch (v.l.n.r.) nach der offiziellen Eröffnung des 16. Bundeskongresses Chirurgie

Vom 21. bis 23. Februar fand in Nürnberg der Bundeskongress Chirurgie 2014 statt, der jährlich gemeinsam vom Berufsverband Niedergelassener Chirurgen (BNC), dem Bundesverband Ambulantes Operieren (BAO) und dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) ausgerichtet wird.

Bei der Eröffnungssitzung zog BNC-Präsident Dr. Dieter Haack, der seine berufliche und berufspolitische Laufbahn Ende 2014 beenden wird, eine Bilanz aus 30 Jahren chirurgischer Arbeit: „Als ich vor 30 Jahren in die Praxis meines Vaters einstieg, war die Welt für uns Ärzte noch in Ordnung. Es gab keine Budgets, und jede Leistung wurde einzeln vergütet.“ Mit dem Antritt von CSU-Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer 1992 habe sich die Situation Schritt für Schritt verschlechtert: „Ein Kostendämpfungsgesetz jagte das andere, immer mehr Abrechnungsziffern wurden in Pauschalen versenkt“, kritisierte Haack. Der aktuelle Koalitionsvertrag mache wenig Hoffnung, dass sich Ärzte künftig wieder auf ihre eigentliche Arbeit und das Patientenwohl konzentrieren können: „Im Koalitionsvertrag ist in Bezug auf das Gesundheitswesen ständig von Qualität die Rede, doch der Politik geht es um einen formalisierten Qualitätsbegriff, der keinen Raum für Empathie lässt.“

BAO-Präsident Dr. Axel Neumann bemängelte am Koalitionsvertrag vor allem, dass er die Spaltung zwischen Haus- und Fachärzten eher weiter schüren als beenden werde: „Die hausarztzentrierte Versorgung wird weiter gefördert, Fachärzte wiederum werden mit Terminvorgaben gegängelt.“ Neumann kritisierte, dass der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) weiterhin das Ambulante Operieren nicht adäquat abbildet: „Mittlerweile wird sogar schon öffentlich zugegeben, dass die Einsparungen, die durch die Verlagerung von Eingriffen vom stationären in den ambulanten Sektor erzielt werden können, nicht bei uns landen, sondern bei den Kostenträgern. Das alles stimmt einen sehr bedenklich.“

Auch BDC-Präsident Prof. Hans-Peter Bruch warnte vor unguten Entwicklungen im Medizinbetrieb: „Das Heilen eines Menschen ist kein Werkstück und keine Industrie, auch wenn uns etliche Institutionen dies glauben machen wollen.“ Zu diesen Institutionen zählten zum Beispiel die Krankenkassen, wie Bruch mit Blick auf den umstrittenen AOK-Krankenhausreport erklärte: „Da nutzt eine Kasse mit einem vertrauenerweckenden Lebensbaum im Logo alte Daten und rechnet sie hoch, um zu skandalisieren und Ärzten Behandlungsfehler vorzuwerfen.“ Mit diesem Vorgehen werde die AOK ihrem eigenen Qualitätsanspruch nicht gerecht, denn offenkundig wisse sie gar nichts über ihre Versicherten. „Die Mengenvorwürfe gegenüber den Ärzten suggerieren, es gehe uns nur um Geschäftemacherei – dabei war es nicht wir, sondern die Politik, die den Wettbewerbsgedanken in den Medizinbetrieb gebracht hat.“

Nachdenkliche Töne schlug auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) an, der sich auf die Suche nach der Bedeutung des Begriffs der ärztlichen Kunst machte: „Die Arzt-Patientenbeziehung steht im Mittelpunkt der Heilkunst. Aber Verwissenschaftlichung, Technisierung und Ökonomisierung der Medizin münden in ein objektivierendes Handeln.“ Diese Objektivierung könne der Besonderheit der Arzt-Patientenbeziehung nicht vollständig gerecht werden. Jähne warnte: „Wir Ärzte selbst tragen ebenfalls zur Ökonomisierung und Objektivierung bei, indem wir nach Regeln, Standards und Zertifikaten rufen, mit denen wir uns von Wettbewerbern abgrenzen wollen und Abweichungen von der definierten Norm kritisieren.“

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