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Bei peripheren Nervenverletzungen kommt es auf den zeitlichen Abstand zum Trauma an

Kommt es infolge einer Schnittverletzung, einer Messerstichverletzung oder einer Verletzung an Glasscherben zu peripheren Nervenverletzungen, so sollte man alles daransetzen, die Nervenfunktion möglichst rasch wieder herzustellen. Darauf hat Priv.-Doz. Dr. Kartik G. Krishnan, Neurochirurg aus Gießen, beim Bundeskongress Chirurgie am 21. Februar 2014 in Nürnberg hingewiesen.

„Leider erhalten Patienten nach derartigen Verletzungen häufig nur eine einfache Wundversorgung, so dass leicht zwei bis drei Monate vergehen, bis verletzte Nerven rekonstruiert werden.“ Dabei gingen bereits wenige Tage nach dem Trauma Synapsen verloren, nach zwei bis drei Monaten drohe die Denervation und damit Atrophie der Muskulatur, die nach sechs bis zwölf Monaten dann ihre kontraktile Struktur verliert. Etwa 20 Monate nach dem Trauma beginne dann der Umbau des Bindegewebes.

Für die primäre operative Rekonstruktion eigneten sich Nerventransfers – und zwar immer dann, wenn kein proximales Nervenende mehr vorhanden ist oder der vorhandene Restnerv zu schlecht ist um eine Reinnervation zu erreichen. Die Ergebnisse der primären Rekonstruktion seien zum einen abhängig von der Komplexität und der Art der Verletzung (Dehnverletzung vs. glatte Durchtrennung) und von der Disziplin des Patienten bei der Physio- und Ergotherapie. Zum anderen spielten aber auch die Latenzzeit, das Patientenalter und die Länge des Transplantats eine Rolle: „Je früher die Verletzung versorgt wird, je jünger der Patient ist und je kürzer das erforderliche Transplantat ist, umso besser das Ergebnis“, sagte Krishnan.

„Bei multiplen Nervenläsionen stößt der Nerventransfer allerdings an seine Grenzen“, sagte Krishnan. Dies gelte auch, wenn die Rekonstruktion zu spät nach dem Trauma erfolge, was spätestens sechs bis zwölf Monate nach dem Trauma der Fall sei. In diesen Fällen sei eine sekundäre funktionelle Reanimation mithilfe von Sehnentransfer, regionalem Muskeltransfer oder frei funktioneller Muskeltransplantation anzuraten. „Grundsätzlich nimmt die neuronale Rekonstruktion viel Zeit in Anspruch. Bis zur funktionellen Erholung nach dem Eingriff können oft mehrere Jahre vergehen“, sagte Krishnan.

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