Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Neue Polemik vom GKV-Spitzenverband: Viele Ärzte, hohe Einkommen, fehlerhafte Diagnosen?

Macht wieder einmal Stimmung gegen die Ärzteschaft: Johann Magnus von Stackelberg vom GKV-Spitzenverband

Ein paar Wochen lang gab es keine polemischen Äußerungen von Seiten des GKV-Spitzenverbandes – doch mit dem heutigen Tag wirft Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, wieder ein paar provokante Aussagen in den Ring. „In Deutschland gibt es so viele Ärzte wie noch nie. Das gilt sowohl für Hausärzte als auch für Fachärzte. Bei den Fachärzten gibt es praktisch flächendeckend eine Überversorgung. Auch das Einkommen niedergelassener Ärzte liegt auf einem Rekordniveau und mit durchschnittlich 166.000 Euro brutto pro Arzt weit über dem Durchschnitt der Bevölkerung“, heißt es in einer Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbandes vom 27. Februar 2014.  

Darin kritisiert von Stackelberg, mit der bisherigen Konzentration auf die klassische Einzelarztpraxis und die politisch initiierten Honorarerhöhungen ließen sich Versorgungsprobleme nicht lösen: „Wir haben immer mehr Ärzte, die immer mehr Geld verdienen und trotzdem gibt es für die Patienten teilweise lange Wartezeiten und in wenigen Regionen im hausärztlichen Bereich erstmals Versorgungslücken.“ Daher fordere der GKV-Spitzenverband die Ärzteschaft auf, die neuen Möglichkeiten zur besseren Versorgung der Patienten aktiv auszubauen und zu nutzen. Auch in der ambulanten Versorgung müssen mehr Kooperationen und mehr Anstellungsmöglichkeiten angeboten werden, damit jungen Ärzten der Weg in die Praxis und aufs Land erleichtert wird.

Außerdem erklärte von Stackelberg, Ärzte sorgten derzeit vor allem selbst für höhere Honorare: "Wenn die Ärzteschaft mehr oder schwerwiegendere Krankheitsdiagnosen aufschreibt und meldet, steigt insgesamt die Honorarsumme, die die Krankenkassen an die Ärzteschaft überweisen." Es gebe aber "klare Hinweise dafür, dass die Qualität der dokumentierten Diagnosen nicht ausreichend ist." Von Stackelberg bezeichnete es als "völlig inakzeptabel, wenn Diagnosen übertrieben aufgeschrieben werden, um mehr Honorar für die Ärzteschaft herauszuholen. Es hat sich gezeigt, dass die von den Ärzten selbst aufgeschriebenen Diagnosen keine geeignete Basis für die Steigerung der ärztlichen Vergütung sind. Hier muss der Gesetzgeber neue Bedingungen schaffen." Der GKV-Spitzenverband fordere daher, dass die Morbiditätsentwicklung im Kern künftig als Teil des demografischen Wandels erfasst und durch weitere unabhängige Morbiditätskriterien aus der offiziellen Gesundheitsberichterstattung ergänzt wird.

Kritik an diesen Äußerungen kam zum einen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), deren Vorstandsvorsitzender, Dr. Andreas Köhler, hierzu erklärte: „Offenbar interessiert sich der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht für die Bedürfnisse seiner 70 Millionen Versicherten.“ Das Problem des Ärztemangels sei in der Gesellschaft und in der Politik angekommen – nur nicht bei den Krankenkassen. „Deren Spitzenverband leistet einen Bärendienst, wenn es darum geht, junge Mediziner für die Niederlassung zu gewinnen. Die Aussagen der Kassenfunktionäre sind falsch. Wir stehen vor der Herausforderung, dass die Nachfrage nach medizinischen und psychotherapeutischen Leistungen auf Grund der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft steigen wird“, betonte Köhler.
 
Man müsse den drohenden Ärztemangel als Herausforderung für die ganze Gesellschaft begreifen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen böten bereits Umsatzgarantien, Investitionshilfen, erleichterten die Anstellung von Ärzten und unterstützten Stipendien für Medizinstudenten. Auch die Kommunen seien oftmals schon dabei, ein attraktives Standortmarketing zur Ansiedlung von Arztpraxen zu machen. „Einzig der GKV-Spitzenverband hat nur Plattitüden und überwiegend falsche Behauptungen zu bieten. Wir fordern die Kassenseite auf, endlich einen konstruktiven Beitrag zu leisten, um den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten verlässliche Rahmenbedingungen mit festen Preisen zu ermöglichen. Die Flatrate-Mentalität nach dem Kassenmotto ‚Viele Leistungen zum kleinsten Preis’ muss endlich der Vergangenheit angehören“, forderte der KBV-Chef. „Wir nehmen die Kassenseite beim Wort bei ihrer Aussage, dass neue Leistungen auch zusätzlich vergütet werden müssen. Vergessen wir eines nicht: Ohne Ärzte und Psychotherapeuten funktioniert Versorgung nicht. Wenn die Krankenkassen es nicht als das wichtigste Ziel ansehen, ihren Versicherten die bestmögliche Versorgung zu bieten, dann gehören sie abgeschafft.“

Der Vorsitzende des NAV-Virchowbundes, Dr. Dirk Heinrich, wiederum konterte: „Der von den Krankenkassen geäußerte Generalverdacht, Ärzte würden zur Steigerung ihres Honorars absichtlich falsche Diagnosen stellen, ist unerhört und wird von den niedergelassenen Ärzten entschieden zurückgewiesen. Patienten werden älter und daher auch kränker. Wer das bezweifelt, ignoriert die Realität. Die heutige Vorstellung war wieder einmal der altbekannte Rundumschlag gegen die Ärzteschaft. Einer Problemlösung in der ambulanten Versorgung verweigern sich die Kassen hingegen völlig. Versorgungslücken werden schöngerechnet, Arztzahlen werden aufgebauscht, die ärztliche Behandlungsqualität wird angezweifelt und der Ärztemangel wird ignoriert. Die geforderte Rolle rückwärts bei der Berechnung der Vergütung – weg von der Morbiditätsorientierung – spricht Bände: Den Kassen geht es allein um die Einsparung der Kosten.“

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