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Karpaltunnelsyndrom: Endoskopische OP-Techniken sind ins Hintertreffen geraten

Mit einer Gesamtmorbidität von drei bis fünf Patienten auf 1.000 Einwohner ist das Karpaltunnelsyndrom (KTS) mit Abstand das häufigste Nervenkompressionssyndrom der Hand. Wie der niedergelassene Handchirurg Dr. Martin Bues aus Ahrensburg beim Bundeskongress Chirurgie am 21. Februar 2014 in Nürnberg berichtete, müsse man allein in Deutschland von rund 200.000 Neuerkrankungen pro Jahr ausgehen.

Nachdem man in den vergangenen Jahren mit den endoskopischen OP-Techniken nach Chow und Agee zur Therapie des KTS Erfahrungen gesammelt habe, seien diese Verfahren mittlerweile wieder ins Hintertreffen geraten. „Es gibt einige Chirurgen, die die endoskopischen Methoden gut anwenden, aber viele beherrschen die möglichen Komplikationen nicht“, sagte Bues. Studien hätten gezeigt, dass sich die Langzeitergebnisse nach offener und endoskopischer Operation nicht unterscheiden. Lediglich die Dauer der Arbeitsunfähigkeit sei nach einer endoskopischen Operation etwas kürzer. „Als einzigen Erfolg des Exkurses in die endoskopische KTS-Chirurgie werte ich, dass inzwischen auch bei den offenen Techniken nur noch sehr kurze Schnitte gemacht werden“, meinte Bues. Mit einer Länge von 3 bis 3,5 Zentimetern sei heutzutage auch eine offene KTS-Operation ein nur wenig invasiver Eingriff.

Als weiteres Argument gegen das endoskopische Vorgehen bei Nervenkompressionssyndromen der Hand führte Bues die große Zahl anatomischer Varianten der Nerven der Hand an. Dies gelte nicht nur für den Medianus-Nerven, sondern auch für den Ramus muscularis und den Ramus palmari. „Allein für den Ramus muscularis werden in der Literatur 30 bis 40 verschiedene anatomische Varianten beschrieben“, betonte Bues. Beim Ramus palamris finde man häufig eine hohe Teilung der Nervenäste vor. „Wenn sich der dritte vom ersten und zweiten Ast trennt, liegt im Zwickel meist die Arteria mediana, die mit ihren kräftigen Pulsationen den Nerv reizen.“ Diese Irritation könne man beseitigen, indem man den Nervenzwickel anhebt und eine Schwenklappen dazwischen platziert, erklärte Bues.

Der Handchirurg gab auch Tipps für den Spezialfall einer KTS-Operation am Shunt-Arm eines Dialysepatienten: „Hier kann man natürlich nicht mit Blutsperre operieren.“ Dieses Problem lasse sich aber umgehen, wenn man eine zusätzliche OP-Assistetin damit beauftrage, die beiden Arterien während der gesamten Operation fest mit den Händen zu komprimieren. „Das ist zwar etwas anstrengend, funktioniert aber gut. Außerdem kann der Chirurg sich auf diese Weise den lokalen Nephrologen zum Freund machen“, meinte Bues.

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