Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Nachrichtenmagazin „Focus“ schürt Angst: Hirnschäden durch Narkosen?

Der niedergelassene Chirurgn Prof. René Holzheimer kritisiert die Darstellung des "Focus" zu Narkoserisiken

„Jeder fünfte Patient erleidet nach der Narkose eine geistige Störung.“ Dies berichtete das Nachrichtenmagazin „Focus“ vergangene Woche. In ihrem Artikel lässt Focus-Redakteurin Regina Albers eine Reihe von Patienten zu Wort kommen, die nach einem Eingriff unter Narkose unter massiven Wahnvorstellungen gelitten haben. Demzufolge erleben etwa drei Millionen Menschen in Deutschland jedes Jahr ein postoperatives Delir. Nach Herz- und Hüftoperationen seien bis zu zwei Drittel der Patienten betroffen, auf alle chirurgischen Eingriffe zusammen hochgerechnet, erkranke jeder Fünfte daran. Häufig würde das postoperative Delir aber von den behandelnden Ärzten und Pflegekräften gar nicht erkannt.

Als sei diese Art der Darstellung für den Laien nicht beängstigend genug, schreibt die Autorin zudem noch, jedes unentdeckte oder zu spät entdeckte Delir steigere das Risiko für dauerhafte geistige Beeinträchtigung, darüber hinaus verdreifache die Störung im Gehirn die Gefahr, innerhalb von sechs Monaten nach der Klinikentlassung zu sterben. Häufig würden sich Patienten erst nach Monaten bis Jahren wieder ganz von einem Delir erholen.

In dem Artikel fehlt allerdings der Hinweis, dass es sich bei den angesprochenen Narkosefolgen ausschließlich um Komplikationen nach längeren und komplexeren Eingriffen handelt. Und so kritisiert der niedergelassene Chirurg Prof. René Holzheimer aus Sauerlach in einem Leserbrief, die Überschrift „Schädigen Narkosen unser Gehirn?“ sei irreführend und versetze Patienten, denen eine Operation bevorsteht, in unnötige Angst. „Für viele Patienten ist die Angst vor der Narkose schon so oftmals stärker als die vor dem eigentlichen operativen Eingriff. Sollte man da nicht darauf achten, die Psyche des Patienten bei allem Verständnis für Aufklärung nicht zusätzlich zu belasten, wenn schon aus dem Artikel nicht hervorgeht, dass das „Delir“, die schwere Form der geistigen Veränderung, gerade bei längeren und größeren Eingriffen im Krankenhaus und eben nicht bei ambulanten Eingriffen auftritt?“, schreibt Holzheimer an die Redaktion.  

Er selbst habe in seiner Praxisklinik seit 1999 mehr als 7000 Eingriffe ambulant operativ versorgt und dabei nicht einen einzigen Fall eines Delirs beobachtet. „Wenn ein Patient liest, dass sich sein Risiko innerhalb von sechs Monaten zu versterben, wenn er an einer derartigen Komplikation erkrankt, die bei drei von 10 Patienten nicht erkannt wird, wird das seinen Allgemeinzustand nicht fördern“, kritisiert Holzheimer. Auch die Darstellung, die „Betäubung nur einer Körperregion“ ziehe „noch häufiger geistige Einbußen nach sich zieht als eine Vollnarkose“, sei unverständlich. Holzheimer schreibt: „Wir infiltrieren bei allen Eingriffen mit Lokalanästhetikum und erreichen damit, dass für die Narkose weniger Narkosemittel verbraucht werden. Den Patienten geht es gut danach. Die Vorbereitung zur Operation, die Operation selbst und die Nachsorge müssen in Ruhe stattfinden. Richtig ist auch, dass vor einer Operation überlegt werden sollte, wie es dem Patienten danach geht. Es geht Patienten besser, die danach in ihrer gewohnten Umgebung sind.“ Die im Artikel angeführte Screening-Untersuchung auf biologische Marker, die das Auftreten eines Delirs begünstigen, ist nach Einschätzung Holzheimers „wichtig vor allem in der Intensivstation – und da sollten ambulante Patienten ja auch nicht hin.“ 

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2014 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH