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Wundkongress: Hinter Fuß- und Beinulzerationen kann auch ein Dependency Syndrom stecken

Ein 42-jähriger Raucher mit einem BMI von 31 stellt sich in der Praxis vor. Er hat seit drei Jahren eine Ulzeration an der linken Wade, zu der sich zwei Monate zuvor noch ein Ulkus am rechten Knöchel gesellt hat. Der erste Gedanke eines jeden Arztes? Diabetes mellitus und periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK) als Ursachen der Ulzerationen. In dem von Dr. Valeska Buder am 8. Mai 2014 beim Bremer Wundkongress präsentierten Fall ergab die Diagnostik aber keinerlei Hinweise auf diese beiden Erkrankungen, auch eine immunologische Ursache konnte ausgeschlossen werden.

„Der Mann arbeitete seit 15 Jahren als IT-Techniker im Home-Office und saß in der Regel fünf bis acht Stunden täglich vor dem Bildschirm. Auch in seiner Freizeit bewegte er sich kaum – als Hobbies gab er Computerspiele und Musikhören an“, berichtete Dr. Buder, die am Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) arbeitet.

Letztendlich erwies sich die Diagnose eines phlebologischen Dependency Syndroms als richtig, das in der Regel vor allem bei Rollstuhlfahrern und anderen immobilen Patienten auftritt. „Doch unser Patient war eine echte ‚Couch Potato’ und bewegte sich so gut wie gar nicht – seine CVI wurde durch eine insuffiziente Sprunggelenk-Muskelpumpe durch dauerndes Herabhängenlassen der Beine ausgelöst“, erklärte Buder.

Bei einem Dependency Syndrom komme es zu einer progredienten CVI, auch ohne dass sich in der Duplexsonographie venöse Refluxe nachweisen ließen. „Hinzu entstehen neben chronischen Ulzera häufig Hyperpigmentierungen, Dermatolipofasziosklerosen und Stauungsekzeme.“ All diese Symptome waren bei dem genannten Patienten nachweisbar. Durch seine Adipositas kam es darüber hinaus zu einer Obstruktion der Beinvenen und erhöhtem intraabdominellen Druck.

In der Therapie setzten Buder und ihre Kollegen zum einen auf eine lokale Ulkustherapie mit silberhaltigen Schaumverbänden. Viel entscheidender seien aber Kompressionstherapie mittels Kompressionsstrümpfen, manuelle Lymphdrainage und viel Bewegung, um die Muskelpumpe wieder zu aktivieren. „Hier kommt die Compliance des Patienten ins Spiel, um die es bei unserem Patienten erst nicht so gut bestellt war“, berichtete Buder.

Bei der ersten Verlaufsvorstellung drei Wochen nach dem Erstkontakt zeigte sich noch keinerlei Verbesserung des Befundes, auch drei Monate später zeigte sich noch kein nennenswerter Fortschritt. „Es stellte sich heraus, dass unser Patient es zunächst längere Zeit versäumt hat, Termine für die manuelle Lymphdrainage zu vereinbaren. Auf die Kompressionstherapie mit Kompressionsstrümpfen hatte er keine rechte Lust, so dass er auch bei der Umsetzung dieser Maßnahme herumtrödelte“, sagte Buder.

In der Folge verlor sich die Spur des Patienten, der nicht zu weiteren Nachuntersuchungen in das Institut kam. Allerdings habe der Mann ihnen im weiteren Verlauf eine E-Mail mit einem Foto seiner Wunde geschickt, das endlich eine deutliche Verbesserung zeigte. Dazu schrieb der Patient: „Verantwortlich für die Fortschritte sehe ich die Kombination aus den richtigen Stützstrümpfen/Druckverbänden, Hydrosorb Gel und die Reduzierung des Nikotinkonsums per elektrischer Zigarette.“

Buder schloss: „Es ist sehr schwierig, Menschen zu motivieren, wenn es um Dinge wie Abnehmen, Rauchstopp und Bewegung geht. Manchmal gelingt es einem, einen besonderen Draht zum Patienten aufzubauen – aber vor allem muss er selbst den Willen zur Veränderung haben!“

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