Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Wundkongress: Auch Antiseptika lösen gelegentlich Kontaktekzeme aus

Genau hinsehen und bei atypischen oder unspezifischen Symptomen auch weniger häufige Diagnosen in Betracht ziehen – so lautete der scheinbar banale Ratschlag der Wundexpertin Dr. Katharina Herberger vom Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), die beim diesjährigen Wundkongress am 8. Mai 2014 in Bremen einen interessanten Fall aus ihrer klinischen Praxis vorstellte.

Dr. Herberger lenkte die Aufmerksamkeit des Plenums auf den Wundrand: „Die Umgebungshaut ist der Ausgangspunkt für die Wundheilung, daher sollten wie besonderes Augenmerk auf den Wundrand richten.“ Als Symptome für Probleme am Wundrand nannte sie Rötungen, Mazerationen, Nekrosen, Schwellungen und einen erhabenen Randwall.

Hinter diesen Symptomen könnten neben den gängigen Auslösern wie Infektionen, Thrombophlebitis oder Hypodermitis in selteneren Fällen auch toxische oder allergische Kontaktekzeme stecken, wie die Dermatologin an einem Fallbeispiel erläuterte. Der 76-jährige adipöse Mann litt seit neun Monaten unter einer chronischen Wunde am linken Unterschenkel, die auf die bisherige Behandlung mit modernen Wundauflagen nicht gut ansprach.

Die Verdachtsdiagnose eines allergischen Kontaktekzems bei chronisch venöser Insuffizienz (CVI) bestätigte sich: Eine Epikutantestung ergab eine Typ-IV-Sensibilisierung gegenüber dem Antiseptikum Octenidin. „In der Allgemeinbevölkerung reagieren zwar nur zehn bis 20 Prozent allergisch auf bestimmte Substanzen, doch bei Wundpatienten sind es bis zu 80 Prozent“, erklärte Herberger.

Allergische Kontaktekzeme würden nicht nur durch kosmetische Inhaltsstoffe und topisch angewandte Antibiotika, sondern gelegentlich auch durch Antiseptika ausgelöst. „Spitzenreiter unter den allergenen Antiseptika ist das Jod mit bis zu 20 Prozent Allergierate“, sagte Herberger. Doch auch auf Silbernitrat (12%), Quinolone Mix (11%), Cetavlon und Chlorhexidin (1-4%) reagierten überraschend viele Menschen mit einer Kontaktallergie. Für Chlorhexidin sei in der Literatur sogar eine hohe Rate von allergischen Reaktionen des Typ-I (Urticaria, Anaphylaxie) beschrieben: So bestand in einer aktuellen Studie [Lachapelle JM, Eur J Dermatol: 2014; 24(1): 3-9] bei 344 perioperativen Anaphylaxien in sieben Prozent der Fälle ein Kausalzusammenhang zum Einsatz von Chlorhexidin.

Die Dermatologin riet ihren Kollegen, bei Problemen am Wundrand und bei der Wundheilung immer auch Kontaktallergien im Hinterkopf zu behalten: „Fragen Sie auch nach, was Ihre Patienten zu Hause alles für die Hautpflege benutzen – von Rosskastaniencreme bis Pferdesalbe gibt es da ja vieles, das auf anfälliger Haut nichts zu suchen hat.

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2014 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH