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Apobank-Studie: Vorbehalte gegen die Selbständigkeit oft unbegründet?

Die derzeitigen Rahmenbedingung im Gesundheitswesen machen eine Niederlassung als Vertragsarzt zunehmend unattraktiv – so ist es zumindest vielerorts zu lesen. Eine aktuelle Studie der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) unter 414 angestellten und selbständigen Apothekern, Ärzten, Zahnärzten und Tierärzten kommt zu einem ganz anderen Ergebnis: Demnach stellen sich Vorbehalte gegen die Selbständigkeit im Nachhinein oft als weniger gravierend heraus als angenommen. Wie die Apobank mitteilte, stehen 90 Prozent der Selbständigen hinter ihrer Entscheidung für die Niederlassung und würden diese noch einmal so treffen.

Befragt nach den Faktoren, die ihre Entscheidung für die Selbständigkeit maßgeblich beeinflusst haben, nannten 90 Prozent der Studienteilnehmer die Gestaltungsmöglichkeiten, gefolgt von Selbstverwirklichung (83 Prozent), Arbeitszeitgestaltung (72 Prozent) und der Einkommenssituation (66 Prozent). Auch das Aufgabenspektrum (65 Prozent) und die Aussicht auf ein enges Verhältnis zum Patienten (64 Prozent) beeinflussten die Entscheidung zugunsten der Selbständigkeit. „Die Studie zeigt, dass die Selbständigkeit viel Potenzial bietet. Sie ist finanziell attraktiv und gibt Raum, sich frei zu entfalten“, kommentierte Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik der apoBank, die Ergebnisse.

Auch angestellte Heilberufler sehen der Studie zufolge Vorteile in der Selbständigkeit und untermauern die Einschätzung der Selbständigen: Sie schreiben der Selbständigkeit mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Freiheitsgrade (79 Prozent) zu. Auch die Einkommenssituation (66 Prozent) sowie die Arbeitszeitgestaltung (45 Prozent) sprechen in ihren Augen für die Selbständigkeit. Dennoch entscheiden sich seit 2007/2008 immer weniger Heilberufler für den Schritt in die Selbständigkeit. Demnach waren für sieben von zehn Angestellten die Aussicht auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Arbeitszeit wesentliche Argumente pro Angestelltentätigkeit. Knapp zwei Drittel schätzen die Zusammenarbeit im Team.

Gegen die Selbständigkeit sprachen zum Zeitpunkt der Entscheidung vor allem das finanzielle Risiko (76 Prozent), die Arbeitsbelastung (63 Prozent), die Bürokratie (54 Prozent) und die unternehmerischen Aspekte der Selbständigkeit (46 Prozent). Knapp jeder Vierte gab an, keine geeignete Praxis oder Apotheke gefunden zu haben. Diese Vorbehalte seien entscheidungsrelevant: Denn nur bei einem geringeren finanziellen Risiko (77 Prozent), weniger Bürokratie (70 Prozent), einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie (56 Prozent) sowie einer besseren Vorbereitung auf die unternehmerischen Aspekte der Selbständigkeit (54 Prozent) würden sich die Angestellten für die Selbständigkeit entscheiden.

„Die Ergebnisse sind alarmierend“, sagte Heßbrügge. „Sie zeigen, dass wichtige Fakten keinen Eingang in den Entscheidungsprozess finden oder nicht hinreichend bekannt sind.“ So ermöglichten etwa Kooperationen die oft gewünschte Work-Life-Balance. Auch die zum Teil hohen Investitionen für eine Existenzgründung bedeuteten nicht automatisch ein hohes Risiko. Auswertungen der Apobank zeigten, dass 998 von 1.000 Apobank-Existenzgründungsfinanzierungen problemlos bedient werden könnten.

Auch die Studienergebnisse zeigten, dass viele Punkte weniger kritisch sind als zunächst gedacht: Wurde die Finanzierung von 33 Prozent der Apotheker und 30 Prozent der Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte im Vorfeld als sehr große bis große Hürde wahrgenommen, waren es im Nachhinein nur noch 15 bzw. 13 Prozent. Ähnlich verhielt es sich mit der Suche nach der passenden Praxis oder Apotheke sowie dem Thema Abrechnung.

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