Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Techniker Krankenkasse schlägt neues Honorarsystem für niedergelassene Ärzte vor

Der stellvertretende TK-Chef Thomas Ballast und Dr. Karsten Neumann, Geschäftsführer des IGES Instituts, bei der Präsentation des neuen Vergütungsmodells

Die Techniker Krankenkasse (TK) ist unzufrieden mit dem derzeitigen Honorarsystem, nach dem jährlich rund 30 Milliarden Euro an die niedergelassenen Ärzte in Deutschland verteilt werden. Sie hat daher das Berliner IGES-Institut beauftragt, einen Reformvorschlag zu erarbeiten. Thomas Ballast, stellvertretender Vorsitzender des TK-Vorstands, sagte hierzu: „Wir wollen Patienten zu einer besseren Versorgung und Ärzten zu mehr Zufriedenheit verhelfen. Deshalb können wir uns eine Einzelleistungsvergütung gut vorstellen. Sie muss natürlich so gestaltet sein, dass die Ausgabenentwicklung dennoch beherrschbar bleibt.“

Ein solches Modell hat das Berliner IGES Institut für die TK entwickelt: Es sieht eine Trennung der Vergütung in Fixkosten und variable Kosten vor. Die einzelnen Leistungen werden definiert und mit einem Preis versehen, der vor jedem Quartal bekannt ist und nicht nachträglich reduziert wird. Die variablen Kosten, in denen auch der „Arztlohn“ enthalten ist, werden für alle erbrachten Leistungen vergütet, die Fixkosten (z. B. Praxisausstattung) nur so lange, bis sie gedeckt sind. Damit soll der Anreiz unnötiger Mengenausweitung sinken, während sich gleichzeitig die Planbarkeit und Transparenz für die Ärzte erhöht.

Dr. Karsten Neumann, Geschäftsführer des IGES Instituts, erklärte hierzu: „Patienten profitieren von dem vorgelegten Modell der Einzelleistungsvergütung, denn ihre Ärzte können sie zielgerichteter und bedarfsgerechter behandeln. Das nützt dem gesamten Gesundheitssystem, weil Über- und Unterversorgung entfallen. Gefördert wird zudem die sprechende Medizin, denn der Druck, technische Geräte einzusetzen, entfällt.“ Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass eine Einzelleistungsvergütung mit geeigneten Begrenzungsinstrumenten nicht zu einer Kostenexplosion in der ambulanten Versorgung führte, sagte Neumann. „In der Studie haben wir in Modellrechnungen festgestellt, dass die zu erwartende Ausgabensteigerung einmalig bei 5,4 bis 5,9 Prozent liegen würde.“ Als Vergleich führte er an, dass seit 2008 die Steigerungsrate im Jahresmittel bei 3,7 Prozent gelegen habe.

Ballast erscheint dies vertretbar: „Wir hätten es mit einer einmaligen Steigerung zu tun, die sich durch einen Zuwachsverzicht im Folgejahr sogar vollständig kompensieren ließe – zumal das neue Modell viele Vorteile für Patienten, Ärzte und Kassen brächte.“ Er sieht noch weitere Vorteile in einem solchen System: „Perspektivisch werden wir eine Konvergenz der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung erleben. Dass ein einheitliches Vergütungssystem in einem einheitlichen Versicherungsmarkt grundsätzlich möglich ist, haben wir bereits im vergangenen Jahr in einer Studie gezeigt. Das vorliegende IGES-Modell würde eine Konvergenz der Systeme weiter erleichtern.“

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