Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Aufatmen in der Hamburger Praxisklinik Mümmelmannsberg: Die Einrichtung bleibt erhalten

Die in den 1970er Jahren als innovatives städtebauliches Projekt errichtete Großsiedlung Mümmelmannsberg gilt mittlerweile als sozialer Brennpunkt. Auch die Praxisklinik Mümmelsmannsberg  kämpft mit den schwierigen Rahmenbedingungen. Bei ihrer Gründung 1977 lobten Politik, Behörden und Ärzteschaft das Behandlungszentrum als zukunftsweisendes Modellprojekt. Doch zwischenzeitlich ist die Klinik in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, ein Großteil der einst 82 stationären Betten ist dem Spardiktat der Krankenhausbedarfsplanung zum Opfer gefallen.

Der Chirurg Dr. Gerd Fass, der seit 2005 seine Patienten in der Belegklinik operiert und dessen Praxis an die Praxisklinik Mümmelmannsberg angegliedert ist, erzählt: „Nicht nur die Zahl der stationären Betten, sondern auch die belegärztliche Vergütung wurde immer weiter reduziert.“ So kam es, dass das einstige Vorzeigemodell der Praxisklinik  Mümmelmannsberg an Attraktivität verlor. „Der Klinikbetreiber, die Dr. Guth Klinikgruppe, hat daraufhin seine Prioritäten geändert, eine Tagesklinik für Psychiatrie aufgebaut und die operativ-chirurgische Abteilung verkleinert“, berichtet Fass. Wegen der hohen Abgaben, die Beleg-Operateure auf ambulante Operationen an die Klinik zu zahlen haben, seien die Konditionen zunehmend unattraktiv geworden.

Immer mehr Belegärzte kehrten der Klinik den Rücken. Waren zu Beginn noch beinahe alle Fachdisziplinen in dem Verbund vertreten, so sind als Hauptbelegärzte heute nur noch die Fachrichtungen Innere Medizin, Gynäkologie, HNO und Chirurgie vertreten. Als die Dr. Guth Klinikgruppe den verbliebenen Mietern im September 2013 mitteilte, dass die Praxisklinik binnen Jahresfrist geschlossen werden soll, schien das Ende des gesamten Betriebes beschlossene Sache zu sein. Die Pressesprecherin der Klinikgruppe, Denise Kley, erklärt hierzu: „Das System der somatischen Abteilungen hat sich wirtschaftlich einfach nicht mehr gerechnet. Wir sind zwar ein Unternehmen, das im Gesundheitsbereich tätig ist, doch wir müssen auch kosteneffizient arbeiten – und das war angesichts von immer weniger Ärzten, die bei uns belegärztlich operierten, zunehmend schwierig.“

Doch die Ärzte der Praxisklinik mobilisierten zusammen mit ihren Patienten den ganzen Stadtteil, warben bei Politik und Unternehmen für den Standort – und freuen sich nun, dass die Praxisklinik zum 1. Juli 2014 mit der SKH Stadtteilklinik GmbH, einer Tochter der Zytoservice Deutschland GmbH, einen neuen Besitzer hat. „Es war sehr schön zu sehen, wie die Menschen hier auf die Straße gegangen sind und sich – letztlich mit Erfolg – für die Klinik eingesetzt haben“, erzählt Fass, „wäre es zur Schließung der Belegklinik gekommen, hätte es nämlich auch durchaus passieren können, dass einer von uns Hauptbelegärzten seine Niederlassung hier aufgibt, weil sie sich ohne Operationen nicht mehr rechnet. Das hätte dann rasch zu einem Dominoeffekt geführt.“

Obwohl es im Hamburger Stadtgebiet weit lukrativere Standorte gibt, arbeitet der Chirurg gern in Mümmelmannsberg: „Als ich 2005 hier anfing, habe ich ein funktionierendes kleines Krankenhaus vorgefunden, in dem kollegial gearbeitet wird und das ohne die Reibungsverluste des regulären Krankenhausbetriebs auskommt.“ Darüber hinaus hat der Chirurg auch handfeste wirtschaftliche Gründe, die ihn an den Standort binden: „Ich habe in den vergangenen Jahren viel Geld hier hineingesteckt, auch noch einen orthopädischen Sitz erworben. Meine Praxis ist an die Praxisklinik angegliedert – und wenn ich woanders noch einmal neu anfangen müsste, würde es lange dauern, bis ich mich wieder etabliert hätte.“

Von der SKH Stadtteilklinik GmbH als dem neuen Besitzer der Praxisklinik Mümmelmannsberg erhofft Fass sich, dass die Konditionen für externe Operateure in Bezug auf Miete und Abgaben verbessert werden. „Denn nur wenn weitere Operateure bereit sind, sich hier einzubringen, besteht eine Chance, die Praxisklinik zu erweitern.“ Derzeit gebe es nur zwei belegärztliche Operateure, die nicht mit ihrer Praxis an die Klinik angeschlossen seien. „Dieser Stamm muss sich erweitern“, sagt Fass und ergänzt: „Immerhin haben wir hier mit 30.000 Einwohnern in Mümmelmannsberg und dem näheren Umland ein großes Patientenpotenzial.“

Auch der Geschäftsführer der SKH Stadtteilklinik GmbH, Bernd Rudloff, möchte das Spektrum der Praxisklinik kontinuierlich ausbauen: „Wir wollen weitere Fachgebiete hinzugewinnen und gehen das gemeinsam mit den Ärzten an – die haben eine Menge Ideen hierzu.“ Eine dieser Ideen betrifft spezielle Angebote für multimorbide ältere Patienten sowie Patienten mit Migrationshintergrund. Auch eine Abteilung für Palliativmedizin sei im Gespräch. 

Der harte Kern der Ärzte an der Praxisklinik wünscht sich auch eine bauliche Aufwertung. Fass meint: „Während das gesamte Viertel ringsum erneuert und modernisiert wird, weht durch unser Gebäude noch der Geist der 1970er Jahre.“ Rudloff denkt in dieselbe Richtung: „Wir haben im Zuge der Verhandlungen mit der Dr. Guth Klinikgruppe deutlich gemacht, dass wir gern die Immobilie als Ganzes erwerben würden – leider war die Dr. Guth Klinikgruppe nicht zu einem Verkauf des gesamten Pakets bereit. Doch unser Angebot steht und kommt unter Umständen zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf die Agenda.“ Bis dahin könne man nur hoffen, dass die Dr. Guth Klinikgruppe als Eigentümer der Immobilie das Gebäude in naher Zukunft auch von außen modernisiert.

Die Pressesprecherin der Klinikgruppe, Denise Kley, sagt, man sei dauerhaft bemüht, die Immobilie instandzuhalten und halte vor Ort eine eigene Haustechnik bereit. „Auch über Sanierungsmaßnahmen denken wir nach, sofern sie wirtschaftlich darstellbar sind“, betont Kley.

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2014 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH