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Daniel Bahr sieht Nachholbedarf in Deutschland beim Umgang mit Hygiene

Der scheidende Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr fordert verstärkte gemeinsame Anstrengungen des Gesundheitswesens und der Politik gegen Infektionen, die bei medizinischen Behandlungen auftreten. „Wir sind ein Stück weitergekommen, aber wir haben aus meiner Sicht in Deutschland Nachholbedarf beim Umgang mit Hygiene“, sagte der FDP-Politiker nach der Eröffnung des Freiburger Infektiologie- und Hygienekongresses durch Prof. Dr. Franz Daschner am 16. Oktober 2013. Deutschland liege zwar bei der Rate nosokomialer Infektionen europaweit „im unteren Drittel“, das sei für ihn aber noch „kein Grund zum Jubeln“. Ein Teil der Krankenhaus-Infektionen könnte nämlich durch Einhaltung von Hygienemaßnahmen und -regeln vermieden werden. Vor allem würden diese Infektionen durch die Zunahme resistenter Erreger „zunehmend problematischer“.

Daher müsse man dafür sorgen, dass der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika und die inkonsequente Anwendung von Hygienemaßnahmen in Deutschland abnehmen, sagte Bahr. Dies könne nur gelingen, „wenn alle an einem Strang ziehen: Bund- wie Ländereinrichtungen des Gesundheitswesens sowie Verbände und nicht zuletzt jeder und jede einzelne Beschäftigte im Gesundheitswesen selbst“. Bahr verwies auf wichtige Meilensteine wie das neue Infektionsschutzgesetz, das den Infektionsschutz in Deutschland seit dem Jahr 2011 entscheidend geprägt habe. Beim Robert Koch-Institut sei die Kommission ART (Antiinfektiva, Resistenz und Therapie) eingerichtet worden, die Empfehlungen und allgemeine Grundsätze für Diagnostik und antimikrobielle Therapie insbesondere bei Infektionen mit resistenten Krankheitserregern erstelle. Damit unterstütze die Kommission Ärztinnen und Ärzte bei ihrer praktischen Arbeit.

Nach Angaben des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene (BZH), das den jährlichen Freiburger Infektiologie- und Hygienekongresses ausrichtet, erleiden jeden Tag allein in Deutschland über 500 Menschen eine vermeidbare Infektion im Krankenhaus.  Während die Rate an Infektionen mit Methicillin-Resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) in Deutschland noch zu Beginn der 1990er Jahre bei einem Prozent gelegen habe, sei sie innerhalb von nur zehn Jahren sei sie auf über 20 Prozent gestiegen. Nach den Worten von Dr. Ernst Tabori, Ärztlicher Direktor des BZH, konnte eine weitere Ausbreitung von MRSA dank intensiver Informations- und Präventionsmaßnahmen wie zum Beispiel der Bildung regionaler MRSA-Netzwerke bisher verhindert werden. Im Jahr 2012 sei die Rate sogar auf etwa 16 Prozent gesunken. Dennoch bleibe MRSA der häufigste multiresistente Erreger. Zunehmend bereite den Klinik-Verantwortlichen die Ausbreitung Multiresistenter gramnegativer Keime (MRGN) Sorgen, berichtete Tabori, der auch den Lesern des Chirurgen Magazins regelmäßig mit Hygieneratschlägen zur Seite steht.

Mit rund 900 Ärzten, Hygienefachkräften, Krankenhausmanagern, Pflegedienstleistern und Fachjournalisten  aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichte der Kongress nach Angaben der Veranstalter einen neuen Teilnehmer-Rekord. Der nächste Freiburger Infektiologie- und Hygienekongress findet vom 24. bis 26. November 2014 statt.

Informationen zum Freiburger Infektiologie- und Hygienekongress finden Sie hier.

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