Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

SpiFa kritisiert 5-Jahres-Bilanz des umstrittenen IGeL-Monitors

In der Arztpraxis bekommt jeder zweite Patient Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, die privat zu bezahlen sind. Häufig geht es um ergänzende Früherkennungsuntersuchungen wie Ultraschall, Lungen-Check, EKG und andere. Doch die Schaden-Nutzen-Bilanz dieser Leistungen fällt nach Einschätzung des IGeL-Monitors, der vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (MDS) betrieben wird oft eher negativ aus. Anlässlich des fünfjährigen Bestehens zogen die Macher des IGeL-Monitors am 16. Februar 2017 eine Zwischenbilanz.

„Aus zahlreichen Zuschriften wissen wir, dass sich viele Patienten bei der Entscheidung über eine IGeL allein gelassen fühlen“, sagt Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS. So habe nur jeder Vierte bei einer Befragung des IGeL-Monitors angegeben, zufrieden über Informationen zu möglichen Schäden zu sein. Pick kritisierte, dass manche Praxis einen transparenten Umgang mit IGeL vermisse lasse. „Es ist nicht hinnehmbar, wenn Patienten unter Druck gesetzt werden oder wenn sie vor der Behandlung weder ausreichende Informationen noch eine nachvollziehbare Kostenaufstellung erhalten. Auch wenn manches besser geworden ist − es ist nicht alles gut.“ Die Gesamtbilanz der bislang 45 Bewertungen und Beschreibungen des IGeL-Monitors falle nicht gut aus. Vier IGeL bewerten die Wissenschaftler, etwa die durchblutungsfördernde Infusionstherapie gegen Hörsturz. 17 IGeL erhalten die Bewertung tendenziell negativ, bei 15 weiteren Bewertungen kam das Wissenschaftlerteam zum Schluss, dass die Schaden-Nutzen-Bilanz mit unklar zu bewerten seien. Nur drei IGeL werden mit tendenziell positiv bewertet, keine IGeL erhält die Bewertung positiv.

Der Spitzenverband Fachärzte (SpiFa) äußerte sich kritisch zu diesen Äußerungen des MDS. In einer Pressemitteilung von heute (17. Februar 2017) heißt es: „Unabhängig in wessen Auftrage und mit welchem Ziel die gesetzlichen Krankenkassen oder ihr angegliederte Strukturen über Jahre hinweg generalisiert Ärztebashing betreiben, können wir nur immer wieder darauf hinweisen, dass es fachärztliche Leistungen gibt, die über den gesetzlichen Leistungskatalog hinausgehen und dem Patienten zur Verfügung gestellt werden können und oft sogar müssen, um eine leitliniengerechte Behandlung der Versicherten zu ermöglichen.“

Dr. Christian Albring, Vorstand des SpiFa, erklärte dazu: „Die wiederholte Generalverurteilung der gesamten Ärzteschaft, ihren Patienten Selbstzahlerleistungen vom Praxispersonal geradezu aufdrängen zu lassen, verunsichert Patienten, säht Misstrauen und beschädigt das Arzt-Patienten-Verhältnis. Die fachärztliche Aufklärung über Nutzen und Mehrwert von Selbstzahlerleistungen in jedem individuellen Fall ist für die Fachärzteschaft selbstverständlich.“

Die negativen Ausnahmen als „Normalfall“ zu bewerten, sei wenig zielführend und sollte auch nicht das Geschäft der gesetzlichen Krankenkassen sein, ergänzte SpiFa-Hauptgeschäftsführer Lars F. Lindemann: „Wir sind insbesondere darüber verwundert, dass gesetzliche Krankenkassen den IGel-Bereich als Zugangsmöglichkeit von notwendigen Innovationen im Gesundheitswesen derart undifferenziert kritisieren und diffamieren, obwohl diese doch eine Vielzahl von Selbstzahlerleistungen anschließend in den GKV-Leistungskatalog übernommen wissen wollen bzw. diese Leistungen als freiwillige Satzungsleistungen anbieten.“

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