Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

BAO fordert Corona-Impfschutz auch für Mitarbeitende in ambulanten OP-Zentren

Ärztinnen und Ärzte sowie deren Praxisangestellten, die in vertragsärztlichen OP-Zentren bei ambulanten Eingriffen und anderen Behandlungen täglich Menschen nahe kommen, wird bei der aktuellen Impfaktion zur Immunisierung gegen SARS-CoV-2 bislang keine Priorität eingeräumt. Diesen Umstand hat der Bundesverband Ambulantes Operieren (BAO) zum Anlass genommen, in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sowie Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages zu fordern, den Infektionsschutz dieser Berufsgruppen in der ambulanten Versorgung nicht zu vernachlässigen.

Mit Blick auf die aktuellen Impfempfehlungen der STIKO monierte BAO-Präsident Dr. Axel Neumann, dass die Bewertung des Expositionsrisikos der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie des in der ambulanten Versorgung tätigen Personals nicht dem Versorgungsalltag entspricht: „Aktuell sind wir in Gruppe 3 gemeinsam etwa mit dem Reinigungspersonal, IT-Mitarbeitern und dem Personal des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) eingeordnet, die in der Regel keinerlei Kontakt mit potenziell infektiösen Patientinnen und Patienten haben. Das ist eine krasse Fehleinschätzung“, kritisierte Dr. Neumann. Schließlich unterscheiden sich die Kontaktzeiten mit Patientinnen und Patienten in ambulanten Einrichtungen bei der Versorgung akuter Beschwerden und Verletzungen nicht von denen in der Notaufnahme eines Krankenhauses – allerdings übersteigt die tägliche Zahl an Patientinnen und Patienten in ambulanten Einrichtungen die in den Krankenhausnotaufnahmen um ein Vielfaches.

„Gerade in dieser aktuellen Situation ist es die Aufgabe der Arztpraxen und ambulanten Operationszentren die umfangreiche ambulante operative und interventionelle Versorgung aufrechtzuerhalten – damit leisten wir nicht zuletzt auch einen Beitrag zur Entlastung der Krankenhäuser“, betonte Dr. Neumann. „Ambulante Operationen – jährlich immerhin etwa vier bis fünf Millionen Eingriffe – erfordern dieselben Infektionsschutzmaßnahmen für Patientinnen und Patienten sowie das medizinische Personal wie operative Maßnahmen im Krankenhaus – das schließt ausdrücklich auch Infektionsschutzmaßnahmen durch Impfungen in dieser Pandemiesituation ein!“ Derzeit müssen alle ambulanten Patientinnen und Patienten potenziell als infektiös betrachtet und behandelt werden. Entsprechende Infektionsschutzkonzepte werden in ambulanten Einrichtungen bereits konsequent durchgeführt – allein der Impfschutz von Ärztinnen und Ärzten sowie ihren Angestellten fehlt. Der BAO-Präsident fordert Jens Spahn daher auf, auch den vertragsärztlichen Sektor vorrangig mit einer adäquaten Zahl von Impfdosen zu versorgen.

Auch die Allianz fachärztlicher Berufsverbände Bayerns (AFB) macht sich für eine stärkere Berücksichtigung niedergelassener Fachärztinnen und Fachärzte bei den Impfungen stark. Die AFB fordert insbesondere eine Gleichbehandlung von Fachgruppen mit hoher Aerosolbelastung mit den Ärztinnen und Ärzte im hausärztlichen Bereich. So erklärte der zweite stellvertretende Vorsitzende der AFB, der niedergelassene Anästhesit Dr. Frank Vescia: „Anschließend  müssen die Facharztgruppen mit sehr engem Patientenkontakt und hoher Aerosolbelastung geimpft werden. Das sind beispielsweise neben den Zahnfächern die Anästhesisten, Augenärzte mit weniger als 30cm Untersuchungsabstand, HNO-Ärzte, wo der Patient ohne Maske untersucht werden muss, Pneumologen, Dermatologen und Kinderärzte. Außerdem müssen auch Fachärzte, die ärztliche Bereitschaftsdienste leisten sowie Impfen und Abstriche durchführen, berücksichtigt werden.“

Und auch die Freie Allianz der Länder-KVen (FALK), der die acht Kassenärztlichen Vereinigungen aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz und Nordrhein angehören, erklärte: "Die Pandemie stellt uns alle vor nie dagewesene Herausforderungen. Wir danken deswegen unseren Kolleginnen und Kollegen in den Praxen für die unermüdliche Arbeit, die sie jeden Tag leisten. Sei es in der eigenen Praxis oder in den unzähligen Corona-Sondereinrichtungen, die im vergangen Jahr geschaffen wurden, um der Pandemie Herr zu werden. Gerade diese Arbeit in der ersten Reihe gegen COVID-19 erfordert den dringenden Schutz der Vertragsärztinnen und -ärzte. Deswegen muss die Impfpriorisierung angepasst werden. Alle, die an vorderster Front gegen Corona aktiv sind, müssen unverzüglich geimpft werden. 
 

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