Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

ICW kritisiert Neudefinition von Wundbehandlungsmitteln durch den G-BA

Eine Reihe von Verbandmitteln mit antimikrobiellen Substanzen dürfen ab dem 3. Dezember 2021 nicht mehr von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden. Darauf hat die Initiative Chronische Wunden (ICW) in einem offenen Brief an den Unterausschuss Methodenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hingewiesen. Dabei geht es um Abschnitt P der Arzneimittel-Richtlinie vom 20.08.2020 (zuletzt geändert am 03.09.2020 - BAnz AT 01.12.2020 B4), in dem die zugelassenen Wundbehandlungsmittel durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) neu definiert wurden. „Leider sind insbesondere die bisher bei infizierten und kritisch kolonisierten Wunden umfassend eingesetzten Verbandmittel mit antimikrobiellen Substanzen nicht mehr aufgeführt“, kritisiert die ICW. Das betreffe zum Beispiel die antiseptischen Wirkstoffe Octenidin und Polyhexanid, die infolge der Neudefinition faktisch dem behandelnden Arzt nicht mehr zur Wundversorgung zur Verfügung stünden. „Sie boten bisher eine Alternative zu lokalen Antibiotika, da durch sie keine Bildung von Resistenzen provoziert werden“, heißt es in dem offenen Brief der ICW weiter.

Damit stellten sich den ärztlichen und pflegerischen Versorgern der aktuell geschätzten 2,7 Millionen Menschen mit Wunden pro Jahr (davon etwa eine Million mit chronischen Wunden, die nicht binnen acht Wochen abheilen) die Frage, wie Menschen mit chronischen Wunden ab dem 03.12.2021 adäquat versorgt werden können und welche Produkte die GKV übernimmt. Die ICW befürchtet, dass es infolge der Neuregelung wieder zu einem vermehrten Einsatz von lokalen Antibiotika kommen könnte, da nur diese durch die GKV noch erstattet werden. „Dem unsachgemäßen Antibiotika-Einsatz hatte aber bereits 2015 der damalige Gesundheitsminister Gröhe den Kampf angesagt“, betont die ICW und zitiert aus dem seinerzeit verabschiedeten 10-Punkte-Plan zur Bekämpfung resistenter Erreger, in dem es heißt: „Resistente Bakterien sind als Erreger nosokomialer Infektionen besonders gefährlich, da für eine Therapie nur noch wenige, ggf. auch keine Antibiotika mehr zur Verfügung stehen. Die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen wird durch einen unsachgemäßen Antibiotika-Einsatz beschleunigt. Konsequenzen sind längere und deutlich schwerere Krankheitsverläufe und vorzeitige Todesfälle.“

Als Interessenvertretung von Menschen mit chronischen Wunden sowie Wundbehandlern aus unterschiedlichen Berufsgruppen und als stellungnahmeberechtigte Fachgesellschaft im G-BA hat die ICW einen offenen Brief an den Unterausschuss Methodenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses verfasst. Dieser enthält eine Liste mit den wichtigsten bisher nicht geklärten Fragen, die sich aus der Neudefinition der Wundbehandlungsmittel ergeben. Die ICW verspricht sich daraus eine Diskussion, die im Endergebnis Klarheit für die tägliche Versorgung der betroffenen Patienten bringt: „Den ärztlichen und pflegerischen Versorgern muss es auch weiterhin möglich sein, eine qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten.“

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