Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

DGCH fordert: Chirurgische Patienten vor Eingriffen priorisiert gegen Corona impfen

COVID-19 ist auch beim diesjährigen Chirurgenkongresses, der als DCK 2021 DIGITAL vom 12. bis 16. April 2021 erstmals ganz überwiegend virtuell stattfindet, das beherrschende Thema. Bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Kongresses präsentierte der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Prof. Thomas Schmitz-Rixen, die jüngst veröffentlichten Daten des CovidSurg-Netzwerks. „Es ist eine riesige Initiative geworden, in die über 140.000 Patientendaten aufgenommen wurden“, berichtete Prof. Schmitz-Rixen. Auch wenn die Studie nicht mit randomisiert-kontrolliertem Design durchgeführt wurde, sondern als Beobachtungsstudie, seien ihre Ergebnisse allein aufgrund der riesigen Patientenzahl doch sehr aufschlussreich. Demnach haben sich perioperativ zwischen 0,6 bis 1,6% der Patienten im zeitlichen Zusammenhang mit dem chirurgischen Eingriff eine COVID-19-Infektion zugezogen. „Das hat in allen Altersgruppen einen Effekt auf das Risiko der Patienten, Komplikationen zu erleiden oder zu versterben. Bei der über 70-Jährigen war die 30-Tage-Sterblichkeit sieben- bis achtmal höher als ohne COVID-19“, erklärte der Chirurg. In der Detailgruppe der aufgrund einer Krebserkrankung operierten Patientinnen und Patienten sei sie sogar auf über 18 Prozent gestiegen, „das ist ein Bereich, der definitiv nicht erreicht werden darf“.

Gleichzeitig hätten Daten aus Israel gezeigt, das Impfungen einen deutlichen Effekt auf dieses Risiko haben: „Rein rechnerisch reicht in der Gruppe der 50- bis 60-Jährigen, die wegen einer Krebserkrankung operiert werden, schon die Impfung von 559 Menschen aus, um einen Todesfall wegen Corona zu verhindern“, betonte Prof. Schmitz-Rixen. „Das bringt uns zu der Empfehlung, dass Patienten nicht nur vor Krebsoperationen, sondern vor jedem größeren Eingriff geimpft werden sollten.“ Krebspatienten fänden sich nach der geltenden Impfstrategie in der Priorisierungsgruppe 2, die zurzeit geimpft wird. Menschen, bei denen Gefäßoperationen anstehen, zählten aber meist zur Priorisierungsgruppe 3, die zurzeit noch gar nicht geimpft wird. „Es wäre also zu überlegen, ob diesbezüglich die Priorisierung angepasst wird“, meinte Prof. Schmitz-Rixen und ergänzte: „Ich habe hierzu auch schon mit der StiKo gesprochen.“ Wann immer möglich, sollte chirurgischen Patienten vor einem geplanten Eingriff ein Impfangebot gemacht werden, auch wenn der Eingriff hierdurch um einige Wochen verschoben werden muss.

Wie sich die Pandemie auf die Organisation des Chirurgenkongresses auswirkt, erläuterte der amtierende DGCH-Präsiden Prof. Michael Ehrenfeld. Der Kongress finde als Hybrid-Format statt: „Die Referenten werden sich zum Teil live in einem Sendestudio persönlich begegnen, aber Teilnehmende können das Geschehen nur an den Bildschirmen verfolgen.“ Er vermutet, dass man auch nach der Pandemie kaum zu den traditionellen Kongressformaten zurückkehren wird: „Die Kongresslandschaft wird sich durch das Virus nachhaltig verändern. Gerade internationale Referenten werden künftig sicher nicht mehr für einen Vortrag von 20 Minuten interkontinental reisen, sondern eher via Bildschirm zu den einzelnen Sitzungen dazugeschaltet.“

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2021 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH