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Koloproktologen-Kongress: Noch keine belastbare Evidenz für neue Verfahren

Ziel einer jeden Hämorrhoidentherapie ist die Normalisation von Anatomie und Physiologie sowie Beseitigung der Symptome, nicht aber der kompletten Eradikation der Plexus hämorrhoidalis. Darauf hat der Mannheimer Experte Prof. Alexander Herold beim 47. Deutschen Koloproktologen Kongress hingewiesen, der im März 2021 als reines Digitalformat stattgefunden hat. Prof. Herold beleuchtete hierbei die aktuelle Evidenz zu neuen Operationsverfahren bei Hämorrhoiden.

In Bezug auf die Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur (HAL) sei nach anfänglicher Begeisterung inzwischen Ernüchterung eingetreten. „Die HAL kam vor fast 20 Jahren auf den Markt und wurde in der Zwischenzeit mehrfach erweitert, verbessert und angepasst. In der Zwischenzeit hat sich herausgestellt, dass die HAL insbesondere in der Anfangszeit weniger Schmerzen bereitet, dies aber offenbar nur auf den maximalen, nicht auf den durchschnittlichen Schmerz bezogen“, erklärte Prof. Herold. Ein Jahr nach der OP seien bei per HAL operierten Patienten allerdings signifikant mehr erneute Symptome zu verzeichnen als bei einer offenen Hämorrhoidektomie. Auch im Vergleich Zur Gummibandligatur habe sich die HAL als nicht eindeutig vorteilhaft erwiesen. So sei die Komplikationsrate bei der HAL zum Teil um Faktor 10 erhöht, ohne dass sich die Rezidivrate gegenüber die Gummibandligatur nennenswert verringerte, zumindest wenn man die Ligatur – wie es üblicherweise auch praktiziert wird – zweimal durchführt.

Für die Lasertherapie (Laser Hemorrhoid Procedure, LHP) zeigten mittlerweile etliche Studien gute Erfolgsraten. Die OP könne problemlos ambulant durchgeführt werden, die Patienten seien nur 2 Tage lang arbeitsunfähig. Die Rate der Beschwerdeverbesserung liege nach 30 Tagen bei 80% und nach 60 Tagen bei 92%. Allerdings könne es im Langzeitverlauf bei einem Nachbeobachtungszeitraum von 60 Monaten in einem Drittel der Fälle zu Rezidiven kommen. „Obwohl die Lasertherapie nun schon einige Jahre verfügbar ist, gibt es bei der Evidenz doch noch Luft nach oben“, meinte Prof. Herold.

Ähnlich sieht es bei der Radiofreqzenz-Ablation (Rafaelo) aus: Erste Studien zeigten zwar signifikant bessere Ergebnisse. Doch zum einen würden meist nur ein bis zwei Hämorrhoidalknoten pro Sitzung entfernt, zum anderen handele es sich zunächst nur um vorläufige Daten.

Gemäß den aktuellen Leitlinien sollte man Patienten mit erstgradigen Hämorrhoiden daher eine ballaststoffreiche Ernährung und Sklerotherapie anbieten, bei zweitgradigen Hämorrhoiden dann neben der Sklerotherapie auch die Gummibandligatur. Bei Hämorrhoiden Grad 3 und 4 komme dann die Operation infrage. Mögliche Einsatzgebiete der HAL seien Hämorrhoiden Grad 1 und 2, während LHP und Rafaelo für Hämorrhoiden Grad 2 und 3 geeignet seien.

Alle Vorträge des 47. Deutschen Koloproktologen Kongress sind ohne Passwortschranke in der Mediathek abrufbar, siehe http://www.koloproktologen-kongress.de/

 

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