Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Zi-Sondererhebung: Qualifizierte Praxisangestellte wandern ab, neues Personal ist schwer zu finden

Gutes nicht-ärztliches Praxispersonal zu finden und auch dauerhaft in der Praxis zu halten, ist zu einer großen Herausforderung für viele vertragsärztliche Praxen geworden. Das zeigen die Ergebnisse einer Sondererhebung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im Rahmen des Zi-Praxis-Panels (ZiPP). An der Online-Befragung im Frühjahr 2021 nahmen 5.343 von gut 53.000 angeschriebenen Praxen teil, davon zählten 3.567 zur vertragsärztlichen und 1.379 Praxen zur vertragspsychotherapeutischen Versorgung. Demnach waren unter den vertragsärztlichen Praxen in den Jahren 2019 bis 2020 beinahe zwei Drittel (63,5 %) auf der Suche nach Personal – überwiegend, weil Beschäftigte ihr Arbeitsverhältnis gekündigt hatten.

Die meisten Praxisangestellten, die auf eigenen Wunsch die Praxis verließen (21,9%), kehrten ihrer Praxis aufgrund einer beruflichen Umorientierung den Rücken. Ein Fünftel wechselte in eine andere Praxis, und immerhin 10,7% zog es in ein Arbeitsverhältnis am Krankenhaus. Sie zu ersetzen, ist nicht leicht: So stuften die Befragten die Verfügbarkeit von kompetentem Praxispersonal auf dem Arbeitsmarkt mehrheitlich (94,1%) als äußerst schlecht ein. Aufgrund von Personalmangel mussten bereits 14,7% der vertragsärztlichen Praxen ihr Leistungsangebot zeitweise einschränken, 30% gaben an, dass sie mangels Personal weniger Leistungen an nicht-ärztliche Angestellte delegieren konnten. Zwar setzt gut die Hälfte der vertragsärztlichen Praxen darauf, eigenen nicht-ärztlichen Fachkräftenachwuchs auszubilden. Doch etwa ein Viertel dieser Praxen erleben, dass ihr selbst ausgebildetes Praxispersonals nach der Ausbildung ein Übernahmeangebot ausschlägt und in eine andere Praxis wechselt (37,3%), sich beruflich umorientieren (19,6%) oder in ein Krankenhaus wechselten (18,7%).

Um ihre Fachkräfte zu binden, setzten etwa drei Viertel der vertragsärztlichen Praxen auf Sonderzahlungen und Zuschläge. Mehr als die Hälfte (53,6%) schließen freiwillig an einen Tarifvertrag angelehnte Arbeitsverträge ab, andere zeigen sich mit Sachleistungen (48,4%) oder Sonderurlaub (36,7%) erkenntlich. Während der Corona-Pandemie sind zudem von knapp zwei Dritteln der Vertragsarztpraxen steuerfreie ‚Corona-Sonderzahlungen‘ ausbezahlt worden. Nichtsdestotrotz erwarten über zwei Drittel der Vertragsarztpraxen auch für die kommenden Jahre 2021/2022 substanzielle Probleme, geeignetes Personal auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Der der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried warnte daher: „Immer häufiger machen Krankenhäuser das Rennen um die gut ausgebildeten nicht-medizinischen Fachkräfte.“ Denn seit Jahren steige der Orientierungswert und damit der Preis pro Leistung für Krankenhäuser stärker als der für Vertragsarztpraxen.„Somit ist es kein Wunder, dass es Krankenhäusern leichter fällt, höhere Tarifgehälter etwa für Medizinische Fachangestellte zu zahlen.“ Er forderte daher, die Politik müsse auch dazu beitragen, Abwanderung aus den Praxen zu stoppen. „Wird nicht zugunsten der Vertragsarztpraxen nachgesteuert und die Vergütungsschere zwischen Klinik und Praxis geschlossen, drohen auch für Patientinnen und Patienten spürbare Engpässe in den Praxen, die jährlich mehr als 90 % der gesetzlich Versicherten behandeln.“

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