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DGG: „Ein Großteil der Amputationen infolge des diabetischen Fußes könnte vermieden werden“

Gefäßerkrankungen sind Volkskrankheiten – mehr als zehn Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Das diabetische Fußsyndrom als gefäßbedingte Folge des Diabetes mellitus ist ein Beispiel. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGG) bei ihrer 37. Jahrestagung unter dem Motto „Faszination Gefäßchirurgie“ hingewiesen. Hierzulande leben zirka acht Millionen Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, von denen viele ein diabetisches Fußsyndrom (DFS) entwickeltn „Mit über 40 000 jährlichen Amputationen liegt Deutschland seit vielen Jahren europaweit im oberen Bereich – der diabetische Fuß ist mit Abstand die häufigste Ursache“, warnte die DGG. Ihrer Einschätzung nach könnten bis zu 80 Prozent der Amputationen von Ober- oder Unterschenkel vermieden werden.

Professor Dr. med. Dittmar Böckler, Past-Präsident der DGG betonte: „Durch die konsequente Prävention von Fußgeschwüren, die rechtzeitige Diagnostik und eine interdisziplinäre Therapie von Gefäßverschlüssen ließe sich ein Großteil der Amputationen vermeiden.“ Um den Verlust einer unteren Extremität zu verhindern, sei es entscheidend, die arterielle Durchblutung des betroffenen Beines zu verbessern. Wie gut und mit welchen Maßnahmen das gelingen kann, lasse sich mit einer Angiografie darstellen. Das ungeschriebene Gesetz laute daher: keine Amputation ohne vorherige Gefäßdarstellung und Konsultation eines Gefäßmediziners oder einer Gefäßmedizinerin beziehungsweise eines Gefäßchirurgen oder einer Gefäßchirurgin.

Die Durchblutung des Beines lässt sich nach Angaben der DGG mit verschiedenen Eingriffen verbessern – etwa mit Bypassoperationen oder mit katheterbasierten minimalinvasiven Verfahren wie der Ballondilatation eines verschlossenen Gefäßes. Auch direkte chirurgische Eingriffe am erkrankten Fuß zur Druckentlastung sowie plastisch-rekonstruktive Operationen mit Defektdeckung durch Hauttransplantate können gute Behandlungsoptionen sein. Amputationen des Fußes oder des Ober- bzw. Unterschenkels infolge eines DFS hingegen sollten erst der letzte Ausweg sein. „Amputationen führen zu einer Reduktion der Lebensqualität und haben starke Auswirkungen auf die Lebenserwartung“, sagte Prof. Böckler. „So überlebt nach einer Major-Amputation nur ein Viertel der Diabetespatientinnen und -patienten fünf Jahre; bei der Minor-Amputation unterhalb des Knöchels sind es 80 Prozent.“

Die Vermeidung solcher Amputationen ist für die DGG oberstes Gebot in der Behandlung des diabetischen Fußsyndroms. Deshalb begrüßt die Fachgesellschaft auch den noch recht jungen Rechtsanspruch für GKV-versicherte Menschen mit Diabetes, sich vor einer drohenden Fußamputation eine Zweitmeinung einzuholen.
 

 

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