Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

DGCH: Im letzten Lockdown wurden 41% der planbaren Eingriffe verschoben

Im letzten pandemiebedingten Lockdown wurden 41% der planbaren Eingriffe verschoben. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) im Rahmen ihrer virtuellen Jahrespressekonferenz am 2. Dezember 2021 mitgeteilt. Der entstandene Rückstau sei überhaupt nicht in überschaubarem Rahmen abzuarbeiten. Generell seien in Deutschland vor allem die orthopädischen Eingriffe betroffen gewesen. So habe es einen deutlichen Rückgang der Prothesenimplantationen gegeben. Das erscheint dem DGCH-Generalsekretär Prof. Hans-Joachim Meyer in Pandemiezeiten ebenso vertretbar wie das Verschieben einer Leistenhernienoperation, die trotz der Gefahr einer Inkarzeration nicht allzu riskant ist.

Viele der aufgeschobenen Operationen bewertete er allerdings sehr kritisch: „Bei Mammakarzinomen wurde ein Rückgang um 7%, bei Dickdarmkarzinomen sogar um 18% verzeichnet“, erklärte Prof. Meyer. Krebsoperationen seien im Schnitt um fünf Monate verschoben, viele sogar ganz abgesagt worden. „Wir brauchen hier die individuelle ärztliche Indikation, welche Eingriffe gefahrlos verschoben werden können. Tumoroperationen gehören sicherlich nicht dazu!“ Neben den Notfalleingriffen seien es vor allem die malignen Tumore, bei denen der Zeitfaktor eine große Rolle spielt. Der DGCH-Generalsekretär warnte: „Wie sich der Aufschub ad longum auf die Versorgung auswirkt, weiß man noch nicht. Das sind stille Opfer.“

Über die Situation in ihren jeweiligen chirurgischen Kliniken berichteten der DGCH-Vizepräsident Prof. Michael Ehrenfeld von der LMU München und der amtierende DGCH-Präsident Prof. Hauke Lang von der Universitätsmedizin Mainz. „Das Nadelöhr sind nicht die Betten, sondern das Personal“, erklärte Prof. Ehrenfeld. Aktuell könnten die Chirurginnen und Chirurgen der LMU zwar alle Notfälle und alle dringlichen Tumoroperationen versorgen, „doch die Operationen sind nicht mehr so gut planbar wie zuvor. Wir halten die Patienten auf Standby und warten Tag für Tag, ob intensivkapazitäten frei sind und wir operieren können.“ Damit erhöhe sich der Organisationsaufwand rund um jeden einzelnen Eingriff: „Wir können noch weniger als sonst unseren eigentlichen ärztlichen Aufgaben nachgehen, das ist alles sehr unbefriedigend.“ Nicht nur das Pflegepersonal, auch das ärztliche Personal sei in vielen Punkten wegen der Pandemie über Gebühr belastet. Als problematisch bezeichnete Prof. Ehrenfeld die Tendenz bei Patienten, nicht mehr rechtzeitig zum Arzt zugehen, weil sie im Zusammenhang mit Corona Krankenhäuser für eine Infektionsquelle halten „Dabei ist in Krankenhäusern und auch in Arztpraxen das Infektionsrisiko deutlich niedriger als anderswo“, betonte Prof. Ehrenfeld.

Ähnliches berichtete Prof. Lang aus Mainz, wo bislang ebenfalls noch alle Tumor- und Notfalleingriffe sowie Transplantationen durchgeführt werden, „doch es wird zunehmend schwierig, und auch hier haben wir deutlich mehr organisatorische Aufgaben zu bewältigen als sonst“. Für die weniger dringlichen Operationen machte Prof. Lang eine einfache Faustformel auf:
„Um Pflegepersonal freizubekommen und ein Intensivbett betreiben zu können, muss man zwei OP-Säle schließen.“

Auch wenn die DGCH recht genau beziffern kann, wie viele Operationen im Zuge der vergangenen Pandemiewellen abgesagt oder verschobenen werden musste, fehlt doch eine weitere relevante statistische Größe. So ist nicht bekannt, wie viele der eigentlich im Krankenhaus geplanten Operationen durch Kooperationen mit ambulanten OP-Zentren oder Praxiskliniken bewältigt wurden. „Nein, hierzu gibt es keine Zahlen“, bedauerte DGCH-Generalsekretär Prof. Meyer auf Nachfrage aus den Reihen der anwesenden Journalistinnen und Journalisten.

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