Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Evidenzbasierte Empfehlungen und individuelle Beurteilung der Dringlichkeit von Operationen

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) unterstützt sämtliche Bemühungen, die zur Eindämmung und Bekämpfung der COVID-19-Pandemie erforderlich sind. Wie die Fachgesellschaft am 9. Dezember 2021 mitteilte, gehören hierzu neben strukturellen Veränderungen in den Krankenhäusern und im ambulanten Sektor vor allem auch die Verschiebung von planbaren Operationen, um ausreichend Intensivbetten, Beatmungsplätze sowie auch personelle Ressourcen zur Behandlung von Patienten mit schweren Verläufen einer Corona-Infektion vorhalten zu können. Notfalloperationen und Organtransplantationen sind von dieser Regelung ausdrücklich ausgenommen. „Diese Maßnahmen stellen die Chirurgie vor die Herausforderung, planbare Operationen nach ihrer Dringlichkeit zu kategorisieren. Dies wirft die Frage auf, wie lange Operationen verschoben werden können, ohne dass Patienten hierdurch Nachteile erleiden“, heißt es in der Pressemitteilung.
 
Eine akute vitale Gefährdung oder ein drohender Organverlust seien dabei wichtige, jedoch keinesfalls die einzigen Parameter für die Dringlichkeit einer Operation. In der Regel erfordere ein mögliches Fortschreiten des zugrundeliegenden Leidens (z.B. Progression einer Tumorerkrankung, Organversagen oder drohender Organverlust bei Gefäßkrankheiten, Auftreten von Komplikationen etc.) eine zeitnahe Versorgung. So verschlechtere sich nach allgemeinem Kenntnisstand bei vielen Patienten mit einer Tumorerkrankung die Prognose im Laufe der Erkrankung kontinuierlich. „Aber auch viele andere dringliche Operationen, vor allem bei gutartigen Erkrankungen, dürfen nicht wiederholt aufgeschoben werden“. betonte die DGCH. Das Ausmaß und der zeitliche Verlauf einer Verschlechterung der Erkrankung bis hin zum Auftreten möglicher irreversibler Dauerschäden seien dabei sowohl krankheitsspezifisch als auch individuell unterschiedlich. Die DGCH verwies in diesem Zusammenhang auf entsprechende Empfehlungen aus dem vergangenen Jahr, nachzulesen hier und hier.
 
Die Beurteilung der Dringlichkeit einer Operation beruht demnach auf mehreren Kriterien, die teilweise in den Empfehlungen der einzelnen chirurgischen Fachgesellschaften niedergelegt sind und dadurch eine hohe Transparenz aufweisen. Die DGCH mahnte: „Neben objektiven, wissenschaftlichen Erkenntnissen und krankheitsspezifischen Parametern fließen in die Entscheidungsfindung jedoch auch patientenbezogene Aspekte ein. Die Entscheidung, ob ein Eingriff dringlich ist oder ggf. verschoben werden darf, kann deshalb jeweils nur im Einzelfall und individuell vom behandelnden Arzt entschieden werden.“

Die Fachgesellschaft stellte dabei klar: „Dies bedeutet keinesfalls eine subjektive oder gar willkürliche Priorisierung, vielmehr stellt das Einbeziehen individueller Aspekte die Basis für eine patientenorientierte Entscheidungsfindung dar.“ Die Kategorisierung der Dringlichkeit sei ein patientenzentrierter Prozess, fundierend auf wissensbasierten Empfehlungen der Fachgesellschaften. „Bei einer Verschärfung der Situation und extremen Engpässen in der Versorgung müssten die Operationen unter Umständen nicht nur nach der Dringlichkeit, sondern auch nach prognostischen Kriterien kategorisiert werden“, heißt es in der Mitteilung weiter. Somit widerspreche die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie ganz entschieden der Behauptung, die den Begriff der planbaren Operationen als „reine Willkür“ bezeichnet.

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2022 | Impressum | Datenschutzhinweise