Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

KV-Wahlen: Chirurgen als starke Stimmen für die selbstbestimmte ärztliche Freiberuflichkeit

Ingo Menzel (Weimar). Foto: privat

Michael Hell (Homburg). Foto: privat

Prof. Jörg Hammer (Leipzig). Foto: SLÄK

Als Chirurg und Orthopäde/Unfallchirurg in eigener Praxis mit ambulanten OP-Zentrum in Weimar ist Dipl.-Med. Ingo Menzel über die Facharztliste in die VV der KV Thüringen eingezogen. „Ich danke allen Unterstützern für das Vertrauen in meine Wahl. Immerhin habe ich das zweitbeste Facharzt-Ergebnis erzielen können“, berichtet er, „damit will ich auch weiterhin eine feste Stimme für die freie Berufsausübung darstellen.“ Menzel versteht sich als natürlicher Interessenvertreter aller ambulant tätigen Chirurgen, Orthopäden/Unfallchirurgen sowie aller ambulanten Operateure und Anästhesisten. „Ich will Verantwortung übernehmen zur Wahrung unserer selbstbestimmten Freiberuflichkeit, Erreichung auskömmlicher und gerechter Honorierung, Gestaltung unserer zukünftigen Versorgungslandschaft und Förderung des ärztlichen Nachwuchses im ambulanten Bereich“, betont der Chirurg, der bereits auf langjährige berufspolitische Erfahrungen in Ärztekammer-Gremien und KV-VV sowie Berufsverbänden auf Landesebene (ANC Thüringen) als auch Bundesebene zurückblickt (Kontakt: Dipl.-Med. Ingo Menzel, Tel.: ß3643 850920, chirurgie-weimar@t-online.de).

Im Südwesten der Republik sind gleich drei Vertreter der operativen Fachgebiete in die VV der KV Saarland eingezogen. Neben Dr. Daniel Bastian (St. Wendel) werden als KV-Novizen auch Dr. Henrik Lind (Illingen) und der Homburger Orthopäde und Unfallchirurg Michael Hell einen Sitz in der nächsten VV haben. Letzterer ist 38 Jahre alt, erst seit drei Jahren niedergelassen und meint: „Wir haben es mit einem Bundesgesundheitsministerium zu tun, das gern von oben über uns bestimmt und müssen uns außerdem gegen eine starke Krankenhaus-Lobby behaupten. Ich möchte mitgestalten anstatt gestaltet zu werden. Schließlich habe ich noch 30 Jahre Berufsausübung vor mir und will, dass das ein zufriedenstellendes Tätigkeitsfeld bleibt“, sagt er. Die Haltung mancher älterer Fachkollegen, die den Nachwuchsmangel und das fehlende berufspolitische Engagement der jüngeren Generation beklagen, kann er nur bedingt nachvollziehen: „Ich habe den Eindruck, dass viele den ärztlichen Nachwuchs nicht gezielt genug ansprechen“, meint er. Allgemein gehaltene Schreiben an die Chefarztetagen der Kliniken landeten allzu oft nur irgendwo im Posteingangskorb und erreichten die Zielgruppe nicht. Hinzu kommt: „Eine Mitgliedschaft in den Berufsverbänden ist mit deren aktueller Altersstruktur und Geschlechterverteilung für den ärztlichen Nachwuchs leider nicht so attraktiv“, erklärt Hell. Neben einer besseren Ansprache des chirurgischen Nachwuchses möchte er sich innerhalb der KV und auch innerhalb der operativen Fächer für eine stärkere Vernetzung einsetzen. Insbesondere die immer noch vorhandenen Gräben zwischen Chirurgie und Orthopädie/Unfallchirurgie möchte er überwinden: „Wir werden bei der Weiterbildung, bei den Arztsitzen und bei der Abrechnung zusammengeführt – da können wir uns das alte Lagerdenken nicht mehr erlauben“, meint der Unfallchirurg und betont: „Ich bin offen für Fragen aller Kolleginnen und Kollegen, sei es zur Abrechnung oder sei es zum Thema Praxisgründung.“ (Kontakt: Michael Hell, Tel.: 06841 755057, hell.michael@gmail.com)

Im äußersten Osten haben zwei niedergelassene Chirurgen ihre VV-Sitze verteidigen können. In der KV Sachsen werden ab Januar 2023 Dr. Hagen Bruder (Dresden) und Prof. Jörg Hammer (Leipzig) chirur­gische Interessen vertreten. Für Prof. Hammer geht es dabei vor allem darum, die chirurgische Weiterbildung an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen: „Wir müssen mehr Weiterbildungsinhalte in den ambulanten Bereich verlagern und junge Ärztinnen und Ärzte motivieren, im Anschluss auch ambulant zu arbeiten. Das bedeutet, dass aber auch zunehmend vertragsärztliche Praxen als Ausbildungspraxen zur Verfügung stehen – und dass die entsprechenden Förderstrukturen verbessert werden.“ Was den vielzitierten Generationenkonflikt zwischen älteren und jüngeren Ärztinnen und Ärzten angeht, wünscht Prof. Hammer sich mehr Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten: „Man muss den Wunsch der Jüngeren nach einer besseren Work-Life-Balance ernstnehmen – doch der Nachwuchs muss auch bereit sein, sich an die Praxis anzupassen. Schließlich darf die Patientenversorgung nicht auf der Strecke bleiben.“ Ausdrücklich begrüßt Prof. Hammer universitäre Wahlpflichtmodule zum Ambulanten Operieren: „Die Studierenden wissen ja meist gar nicht, was im ambulanten fachärztlichen Bereich und in der intersektoralen Versorgung alles möglich ist und gemacht wird.“ Letztere sieht er als große Chance für die Weiterentwicklung der Versorgung und merkt an: „Auf der Versorgungsebene kommen die Akteure eigentlich immer gut miteinander klar. Konflikte und Hemmnisse sind rein politischer Natur.“ Daneben macht sich Prof. Hammer stark für mehr Wertschätzung gegenüber Medizinischen Fachangestellten, die insbesondere während der Pandemie immer wieder an ihre Grenzen gegangen sind und „adäquate Anerkennung jenseits von Klatschen“ verdient haben. (Kontakt: Prof. Jörg Hammer, Tel.: 0341 9636723, dr.hammer@thonbergklinik-notfallzentrum.de)

Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten weiter über die KV-­Wahlen und die Ergebnisse der chirurgischen Kandidatinnen und Kandi­daten berichten. Sofern in Ihrer KV-Region die Stimmabgabe noch nicht erfolgt ist: Machen Sie bitte von Ihrem Wahlrecht Gebrauch!

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