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US-Analyse: Ambulantes Operieren birgt Vorteile bei Morbidität und Mortalität

Eine ambulante Operation geht nicht mit postoperativen Nachteilen einher – weder im Hinblick auf die Morbidität noch auf die Mortalität innerhalb von 30 Tagen. Das geht aus einer US-amerikanischen Studie hervor, für die Daten von rund 6,5 Millionen im US-Programm ACS-NSQIP (American College of Surgeons’ National Surgical Quality Improvement Program) gespeicherten Patientinnen und Patienten ausgewertet wurden.

Forschende um Helen J. Madsen von der Chirurgischen Klinik der University of Colorado in Denver wählten hierfür die 50 häufigsten Eingriffe aus neun chirurgischen Disziplinen (allgemein-, neuro-, HNO-, thorax- und gefäßchirurgisch sowie gynäkologisch, orthopädisch und urologisch) aus, bei denen die Quote, mit der die Fälle in den beteiligten Zentren ambulant durchgeführt wurden, zwischen 25% und 75% lag. Hintergrund hierfür war die Überlegung, sowohl für ambulant als auch stationär durchgeführte Operationen belastbare Patientenzahlen zu erhalten.

Wie man in einer Zusammenfassung der Studie bei Springer Online nachlesen kann, stieg im Analysezeitraum zwischen 2005 und 2018 der Anteil der ambulant durchgeführten Operationen von knapp 38% auf 48% und lag im Durchschnitt bei 44%. Die ambulant operierten Patientinnen und Patienten waren demzufolge jünger, häufiger weiblich, hatten weniger Begleiterkranken und eine niedrigere ASA-Klasse. Die Analyse ergab, dass bei 28 der Top 50 die 30-Tages-Mortalität nach ambulantem Eingriff nie die Rate der stationär behandelten Patienten übertraf, weder in der nicht adjustierten noch in der adjustierten Analyse. Umgekehrt waren die Mortalitätsraten nach stationär durchgeführter Operation signifikant höher, in zwölf Fällen um den Faktor 2 bis 3, in sechs Fällen um den Faktor 3 bis 4, und in 6 Fällen mehr als sechsmal so hoch. Die Angaben zur postoperativen Morbidität bezogen sich auf das Auftreten einer oder mehrerer von insgesamt 18 im ACS-NSQIP aufgeführten postoperativen Komplikationen. Dies war nach stationär durchgeführtem Eingriff für alle 50 Operationen signifikant häufiger der Fall, und zwar auch nach Berücksichtigung von Verzerrungsrisiken.

Wie das Forschungsteam betont, ist ihre Arbeit die erste, die sich dem Unterschied zwischen ambulantem und stationärem Operieren in einer großen und gemischten Population gewidmet hat. Bisherige Studien hätten sich immer nur auf spezielle Eingriffe fokussiert. Auch hier hätten sich allerdings jeweils klare Vorteilen für das ambulante Operieren sowohl bei der Morbidität als auch bei der Sterberate ergeben. Die Autorinnen und Autoren betonen aber auch, dass die Abschätzung der patientenseitigen Risiken für das ambulante Operieren essenziell ist. Faktoren wie fortgeschrittenes Alter, eine höhere ASA-Klasse und bestimmte Begleiterkrankungen wie COPD oder Schlaganfall müssten unbedingt berücksichtigt werden. Hierfür empfahlen sie die Anwendung eines Risikokalkulators aus, wie ihn Dyas et al. Anfang 2022 beschrieben haben , und mit dem sich für das ambulante Operieren ungeeignete Patientinnen und Patienten herausfiltern ließen.

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