Hessischer Chirurgenverband e.V.

Einladung Mitgliederversammlung Hessischer Chirurgenverband

Qualifizierungslehrgang Ambulantes Operieren noch freie Plätze verfügbar

Sehr geehrte Mitglieder,

die Landesärztekammer Hessen macht auf freie Plätze in Ihrem Kursangebot "ambulantes Operieren" aufmerksam.

Bitte beachten Sie  die Informationen im Anhang.

Wenden  Sie sich bei Interesse an diesem Angebot direkt an die Ansprechpartnerin Frau Ilona Preuß.

Herzliche Grüße

Karin Reibstein

DGAV-Präsidentin erklärt, warum Deutschland unbedingt mehr Chirurginnen braucht

Die Chirurgie ist nach wie vor eine Männerdomäne. Zwar ist in der Viszeralchirurgie der Anteil von Frauen in den vergangenen Jahren langsam auf inzwischen knapp 30 Prozent gestiegen, Führungspositionen in den chirurgischen Abteilungen von Krankenhäusern sind allerdings weiterhin nur in wenig mehr als zehn Prozent mit Frauen besetzt. Und obwohl mittlerweile die Mehrheit aller Medizinstudierenden weiblichen Geschlechts ist, sollte man nicht glauben, dass sich dieser Zustand automatisch verändert. Davon ist zumindest Prof. Natascha Nüssler, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und Chefärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeralchirurgie und Coloproktologie an der München Klinik Neuperlach, überzeugt. Im Rahmen einer Vorab-Pressekonferenz am 24. März 2022 anlässlich des  139. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), der Anfang April in Leipzig stattfinden wird, sagte sie: „Wir haben seit vielen Jahren eine Überzahl weiblicher Studierender, aber der Frauenanteil in der Chirurgie hat sich nicht groß geändert. Es gibt so viele Kliniken, in denen es nicht eine einzige Frau in einer Oberarztposition gibt. Von alleine ändert sich da gar nichts, außer wir betreiben es aktiv.“

Für die Frauenförderung reicht es ihrer Meinung nach nicht aus, mehr Teilzeitangebote an Kliniken zu schaffen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. „Da sind ganz andere Themen gefragt – es geht um Karrieremöglichkeiten und um Akzeptanz“, erklärte Prof. Nüssler, „denn es gibt immer noch große Vorurteile gegenüber Chirurginnen.“ So zeigten Daten aus den USA, dass niedergelassene Ärzte ihre Patienten bevorzugt an männliche Chirurgen überweisen und nicht so gern an Chirurginnen: „Ich bin mir sicher, dass das in Deutschland nicht anders ist. Es wird Frauen schlicht nicht zugetraut, solche Aufgaben zu übernehmen.“ Das trage dazu bei, dass Frauen selbst häufiger Zweifel hegen, ob sie bestimmte Aufgaben bewältigen können.

Hinzu kommen die klassischen Hierarchien im Krankenhaus. So förderten Führungspersönlichkeiten in der Chirurgie traditionell vor allem Männer: „Es ist eine fast natürliche Neigung, vor allem diejenigen zu fördern, in denen man sich selbst wiedererkennt“, meinte sie. „Das ändert sich so langsam. Gerade unsere Generation Führungskräfte versucht, Frauen auf ihrer Karriere zu begleiten.“ Doch sie möchte mehr tun, um den Frauenanteil in der Chirurgie zu erhöhen. Bei Chirurgiekongressen etwa seien noch immer die meisten Teilnehmenden und auch die Referierenden Männer. „Für junge Frauen ergibt sich so das Bild, dass in diesem Fach einfach kein Platz für sie ist. Ohne sie werden wir das Nachwuchsproblem aber nicht lösen können“, betonte sie. Die DGAV habe daher beschlossen, bei ihrem nächsten Kongress sämtliche Podien bei Vortragssitzungen jeweils mit einem Mann und einer Frau zu besetzen, „damit die Sichtbarkeit von Frauen in der Chirurgie erhöht wird“.

Die Erhöhung des Frauenanteils ist für Prof. Nüssler allerdings nicht nur eine Frage der beruflichen Gleichstellung, sondern auch der Patientensicherheit. Mit Blick auf eine jüngst im JAMA Surgery publizierte Studie erklärte die Chirurgin: „Es ist seit Jahren bekannt, dass Geschlechtsunterschiede zwischen Patienten und ihren Ärzten ein Problem sein können, das sich insbesondere für Patientinnen ungünstig auswirkt.“ So hätten Frauen, die von männlichen Chirurgen operiert werden, ein höheres Komplikations- und Mortalitätsrisiko als wenn sie von Frauen operiert würden. Ähnliche Effekte kenne man z. B. auch in der Kardiologie. „Das hat nichts mit der Qualifikation zu tun“, betonte die Chirurgin, die die Gründe eher im Kommunikationsverhalten vermutet: „Ärzte neigen dazu, Befunde von Patienten unterschiedlich zu interpretieren. Sie ordnen die Beschwerden von Frauen also anders ein als die von Männern. Möglicherweise schildern Frauen ihre Symptome gegenüber Männern auch nicht so offen wie gegenüber Frauen.“ Gemischte Teams mit weiblichen und männlichen Chirurgen könnten ihrer Einschätzung nach vermutlich dazu beitragen, die negativen Effekte der Geschlechterdisparität zwischen Arzt und Patient zu minimieren – wobei man für die aber erst einmal einen stabilen Frauenanteil in der Chirurgie benötigt.

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